Altbogenhausen: Wo Gediegenheit kein Klischee ist
- Bogenhausen wurde 768 als „Pupinhusir" erstmals erwähnt und am 1. Januar 1892 nach München eingemeindet. Altbogenhausen umfasst die ehemaligen Ortsteile Brunnthal, Neuberghausen und Priel mit dem historischen Kern um die Pfarrkirche St. Georg und den Bogenhauser Friedhof.
- Schloss Neuberghausen wurde 1740 zum adeligen Edelsitz erhoben, 1760 von François de Cuvilliés dem Älteren und Ignaz Anton Gunetzrhainer im Rokoko-Stil umgebaut und 1862 von König Maximilian II. abgebrochen, um an seiner Stelle die Königliche Versorgungsanstalt für Beamtentöchter zu errichten.
- Die heutige Max-Joseph-Brücke (im Volksmund Tivolibrücke, 1901 bis 1902) verbindet Altbogenhausen mit dem Lehel. Direkt an die Wohnlage schließen sich die rund 30 Hektar großen Maximiliansanlagen an, die zwischen 1856 und 1866 unter Carl von Effner angelegt wurden.
Altbogenhausen ist ein Ort, an den man sich nicht heranschleicht. Man kommt von der Prinzregentenstraße und versteht nach hundert Schritten, dass dieser Stadtteil eine Tonlage tiefer spricht als der Rest Münchens. Das Viertel zwischen Tivolibrücke und Steinbacher Teich hat seinen Charakter über mehr als ein Jahrhundert konstant gehalten.
Was Altbogenhausen ist
Altbogenhausen liegt nördlich der Ismaninger Straße und östlich der Maximiliansanlagen, deren Begrenzung die Maria-Theresia-Straße bildet. Es ist der historische Kern Bogenhausens und besteht aus den ehemaligen Ortsteilen Brunnthal, Neuberghausen und Priel, die alle am 1. Januar 1892 mit der Eingemeindung Bogenhausens nach München kamen.
Der erste schriftliche Beleg für Bogenhausen stammt aus dem Jahr 768. Damals firmierte das Dorf unter dem Namen „Pupinhusir", was so viel bedeutet wie: „Haus oder Häuser des Poapo, Poppo oder Pubo". Über mehr als ein Jahrtausend blieb Bogenhausen ein dünn besiedeltes Dorf am Isarhochufer, durchsetzt von wenigen Gutshöfen und einer Landbevölkerung. Das änderte sich mit der Industrialisierung. Ende des 19. Jahrhunderts kaufte die Heilmann'sche Immobiliengesellschaft große Flächen, um ein Villenviertel zu errichten. Malerfürsten, Schriftsteller und Großbürger zogen ein, dazu die Lehmbarone, die durch den Lehmabbau in der Umgebung wohlhabend geworden waren.
Das diplomatische Viertel
Altbogenhausen ist heute zur Adresse einer leisen Mehrheit geworden. Hier sitzen Konsulate und Botschaften, hier residiert der Bundesfinanzhof im sogenannten Fleischerschlösschen, einem denkmalgeschützten Anwesen, das einst der Maler Ernst Philipp Fleischer Anfang des 19. Jahrhunderts errichten ließ. Das bayerische Staatsministerium für Umwelt liegt im benachbarten Arabellapark; die meisten Botschaften, Notarkanzleien und Privatkliniken finden sich in den Villen entlang der Ismaninger und Mauerkircherstraße.
Was den architektonischen Bestand auszeichnet, ist die Kontinuität. Altbogenhausen war im Zweiten Weltkrieg nur in geringem Umfang betroffen. Die Villa Stuck, ein Spätwerk des Künstlerfürsten Franz von Stuck, das Hildebrandhaus, in dem heute die Monacensia residiert, sowie zahllose Jugendstil- und Gründerzeitvillen sind erhalten. Wer hier eine Eingangstür öffnet, betritt häufig die Welt von 1905, in der nur die Heizung modernisiert wurde.
Wo das Schloss stand
Im heutigen Altbogenhausen erinnert eine Adresse an einen verschwundenen Ort: Schloss Neuberghausen. Das Gut, ein ehemaliges Lehen der Bischöfe von Freising, kam 1453 an die Münchner Patrizierfamilie Astaller. 1740 erwarb es Caspar Gregor von Lachenmayr; am 8. Juli 1740 wurde es durch Kurfürst Karl Albrecht zum adeligen Edelsitz erhoben. Es war der zweite Edelsitz Bogenhausens, hundert Jahre nach Schloss Steppberg. 1760 ging der Besitz an Graf August Joseph von Toerring-Jettenbach, der das Anwesen durch Ignaz Anton Gunetzrhainer und François de Cuvilliés den Älteren im Rokoko-Stil umbauen ließ.
1808 verpachtete der Sohn das Schloss an den ehemaligen bayerischen Finanzminister Johann Wilhelm Freiherr von Hompesch. Der starb bereits ein Jahr später, sein Name aber blieb. „Hompeschschlössl" hieß das Anwesen seither. 1827 erwarb es Maria Buchmayer, die Wirtin des nahegelegenen Tivoli, und machte daraus die Gastwirtschaft Neuberghausen. Hier verkehrte unter anderem Heinrich Heine. 1862 kaufte König Maximilian II. das Anwesen, ließ das Schloss abbrechen und errichtete an seiner Stelle die Königliche Versorgungsanstalt für Beamtentöchter. Die Konzession für die Wirtschaft zog auf den gegenüberliegenden Rappelhof, ein neues Gasthaus Neuberghausen entstand in der Neuberghauser Straße 11. An dessen Stelle steht seit 1913 die Lauer-Villa.
Tivolibrücke und ein Name, der bleibt
Wer von Altbogenhausen Richtung Lehel will, überquert die Max-Joseph-Brücke, die im Volksmund jedoch Tivolibrücke heißt. Der Name ist älter als das Bauwerk. Bereits 1804 stand hier eine Holzbrücke, die zur Verbindung der Dörfer Bogenhausen und Schwabing diente. 1876 ersetzte sie eine Eisenfachwerkkonstruktion. Am 13. September 1899 zerstörte ein Hochwasser die Brücke; im November 1901 begann der Bau der heutigen Steinbrücke, die 1902 fertiggestellt wurde.
Eigentlich verläuft die Tivolistraße ein Stück weiter südlich über den Eisbach, und die heutige Tivolibrücke ist die kleine Brücke dort. Aber der Münchner ist hartnäckig im Festhalten an Namen, die er kennt. Für den Bogenhauser ist die Tivolibrücke jene über die Isar, und das wird sich in den nächsten hundert Jahren auch nicht mehr ändern.
Steinbacher Teich und die grüne Seite
Wer den ruhigsten Spaziergang Altbogenhausens sucht, läuft entlang der Königswiese in Richtung Steinbacher Teich. Die Königswiese liegt in Nachbarschaft zum Areal des einstigen Schlosses Neuberghausen und ist heute eine offene, gepflegte Grünfläche, die abends als Naherholungsraum dient. Der Steinbacher Teich, ein kleines stehendes Gewässer, ist Anwohnern bekannt und Touristen meist verborgen. Wer hier sitzt, hört das Wasser des Brunnbachs, der wenige Hundert Meter weiter durch den Herzogpark fließt.
Direkt westlich beginnen die Maximiliansanlagen, die zwischen 1856 und 1866 unter Carl von Effner auf rund 30 Hektar angelegt wurden. Sie bilden das Hochuferband zwischen Ludwigsbrücke und Max-Joseph-Brücke und sind im Frühling der erste Treffpunkt der Anwohner. Wer in Altbogenhausen wohnt, hat damit drei Gärten in unmittelbarer Nähe: den eigenen, den der Anlagen, und im Sommer den Englischen Garten, in den man von hier in fünfzehn Minuten zu Fuß läuft.
Warum Altbogenhausen seinen Wert kaum verliert
Was Altbogenhausen über Generationen stabil hält, ist eine Mischung aus Lage, Bestand und Reputation. Der historische Charakter ist über Bauleitplanung, Denkmalschutz und das städtebauliche Selbstverständnis der Anwohner gesichert. Neubauten entstehen selten und werden mit Sorgfalt platziert. Das Viertel altert nicht, aber es verändert sich auch nicht im Tempo anderer Münchner Lagen.
Wenn neue Adressen entstehen, dann mit Rücksicht auf das, was da ist. Das Haus Königswiese in Altbogenhausen, ein L-förmiges Haupthaus mit zurückgesetztem Penthaus und ergänzendem Stadthaus auf drei Ebenen, ist ein Beispiel. Das Ensemble von Landau + Kindelbacher liegt direkt an den Maximiliansanlagen, etwa 140 Meter zur Isar, 500 Meter zum Englischen Garten. Art-déco-Zitate in zeitgenössischer Formensprache greifen die Architekturhandschrift des Viertels auf, ohne sie zu kopieren. Wenige Hundert Meter weiter liegt die Thomas-Mann-Allee, ebenfalls in erster Reihe zur Isar. Beide Adressen sind Antworten auf eine alte Frage: Wie baut man neu in einem Viertel, das alles andere als modern werden möchte?
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Altbogenhausen Teil Münchens?
Bogenhausen wurde am 1. Januar 1892 nach München eingemeindet. Altbogenhausen, der historische Ortskern, umfasst die ehemaligen Ortsteile Brunnthal, Neuberghausen und Priel. Die erste schriftliche Erwähnung Bogenhausens stammt aus dem Jahr 768 als „Pupinhusir".
Wo befand sich Schloss Neuberghausen?
Schloss Neuberghausen lag an der Stelle der heutigen Königlichen Versorgungsanstalt für Beamtentöchter, errichtet 1862 von Maximilian II. nach Abriss des Schlosses. Der Name lebt in der Neuberghauser Straße fort. An der Stelle des einstigen Gasthauses Neuberghausen (Neuberghauser Straße 11) steht seit 1913 die Lauer-Villa.
Wo liegt Altbogenhausen genau?
Altbogenhausen ist der Stadtbezirksteil zwischen der Maria-Theresia-Straße und den Maximiliansanlagen im Westen, der Ismaninger Straße im Süden und dem Mittleren Ring (Richard-Strauss-Straße) im Osten. Der historische Kern liegt um die Pfarrkirche St. Georg und den Bogenhauser Friedhof. Er gehört zum Stadtbezirk 13 (Bogenhausen).
Was unterscheidet Altbogenhausen von Bogenhausen?
Bogenhausen ist der Stadtbezirk und umfasst neben Altbogenhausen weitere Stadtbezirksteile wie den Arabellapark, die Parkstadt Bogenhausen, Oberföhring, Daglfing oder Englschalking. Altbogenhausen ist der historische Kern mit Villencharakter, größtenteils zwischen 1900 und 1925 entstanden. Der Arabellapark dagegen wurde ab den 1960er Jahren als modernes Büro- und Wohnviertel geplant.
Was bleibt, ist Haltung
Der Frühling kommt in Altbogenhausen auf eine besondere Weise. Er beginnt nicht in den Cafés, weil es kaum welche gibt, und nicht in den Parks, weil sie nicht aufgemacht werden müssen. Er beginnt in den Vorgärten, die im April unter den Magnolien stehen, und auf den Hochuferwegen der Maximiliansanlagen, auf denen die ersten Jogger ohne Mütze laufen.
Was Altbogenhausen seit dem späten 19. Jahrhundert ausmacht, ist eine bestimmte Haltung. Sie kommt nicht aus der Anschaffung, sondern aus der Bewahrung. Wer hier wohnt, kauft kein Symbol, sondern eine Lage, die seit Hompesch, Heine und Maximilian II. ihren Charakter behauptet hat. Diese Haltung lässt sich nicht inszenieren. Sie wächst, oder sie ist da. Im April 2026 ist sie da.
Quellen
[1] Bogenhausen, Wikipedia — https://de.wikipedia.org/wiki/Bogenhausen
[2] Schloss Neuberghausen, Wikipedia — https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Neuberghausen
[3] Schloss Neuberghausen, München Wiki — https://www.muenchenwiki.de/wiki/Schloss_Neuberghausen
[4] Geschichte des Tivoli in München, Tivolifoto — https://tivolifoto.com/2022/01/01/geschichte-des-tivoli-in-mnchen/
[5] Alt-Bogenhausen, IsarBlog — https://isarblog.de/die-besten/alt-bogenhausen-tipps-kultur-gastronomie/
[6] Bogenhausen Münchner Nobelviertel, muenchen.travel — https://www.muenchen.travel/artikel/stadt-viertel/muenchner-stadtteile/stadtteil-bogenhausen
[7] Altbogenhausen, Stadtgeschichte München — https://stadtgeschichte-muenchen.de/stadtteil/stadtbezirksteil.php?stadtbezirksteil=Altbogenhausen
Was Sie auch interessieren könnte
Haidhausen abseits der Touristenwege
Die meisten kennen Haidhausen von seinen Lokalen und vom Wiener Platz. Doch ein paar Straßen weiter beginnt ein stilleres Viertel: alte Herbergshäuschen, in denen einst Tagelöhner wohnten, das Franzosenviertel mit seinen Gründerzeitfassaden und ruhige Höfe, die kaum ein Tourist findet. Dieser Spaziergang führt durch das unbekanntere Haidhausen.
Premium-Kindergärten und Krippen in Bogenhausen: Betreuung mit Anspruch
In Altbogenhausen und im Herzogpark endet die Suche nach Betreuung selten an der nächsten Ecke, sondern bei der Frage nach dem richtigen Konzept. Das Viertel hat mehrere bilinguale Premium-Kitas, lange Öffnungszeiten und kurze Wege. Dieser Überblick zeigt die Häuser, die Anmeldung über den Kita-Finder und die Zuschüsse, die Familien entlasten.
Weiterlesen … Premium-Kindergärten und Krippen in Bogenhausen: Betreuung mit Anspruch
Cafés in der Maxvorstadt: Das Wohnzimmer des Uni-Viertels
Die Maxvorstadt ist Münchens Universitäts- und Kunstviertel, und sie trinkt Kaffee wie kaum ein anderes. Zwischen Türken-, Schelling- und Brienner Straße liegt eine der dichtesten Café-Landschaften der Stadt, vom altehrwürdigen Kaffeehaus über das vegetarische Traditionscafé bis zum Studierenden-Treff. Dieser Überblick führt durch die schönsten Adressen.
Weiterlesen … Cafés in der Maxvorstadt: Das Wohnzimmer des Uni-Viertels
