Au am Mühlbach: Das Comeback eines unterschätzten Juwels

  • Die Au ist ein Stadtteil im Südosten Münchens, erstmals 1340 urkundlich erwähnt, 1854 eingemeindet, und bildet zusammen mit Haidhausen den Stadtbezirk Au-Haidhausen.
  • Der Auer Mühlbach, ein sieben Kilometer langer Stadtbach aus Isarwasser, war jahrhundertelang die wirtschaftliche Lebensader des Viertels und prägt bis heute seinen Charakter.
  • Die Gegend um die Mondstraße trägt den Spitznamen „Klein-Venedig“: historische Herbergshäuser direkt am offenen Bachlauf, mitten in der Stadt.

Es gibt Viertel, die jeder kennt – und solche, die man kennen sollte. Die Au gehört zur zweiten Sorte: ein Stadtteil mit Mühlbach-Idylle und Karl-Valentin-Geschichte, der gerade beginnt, seinen wahren Wert zu entdecken.

Drunt in der greana Au: Vom Armenhaus zur Vorstadt

Die Au, erstmals 1340 als „Owe“ erwähnt, lag auf der rechten Isarseite, unterhalb des Steilufers. Der Name bedeutet „Insel“ oder „feuchtes Land“, und genau das war die Au: ein von Isararmen und Mühlbächen durchzogenes Gebiet, das regelmäßig überschwemmt wurde.

Hier lebten die, die es sich nicht leisten konnten, innerhalb der Stadtmauern zu wohnen. Tagelöhner, Handwerker, Fischer, Gerber. Die Wasserkraft der Isar und ihrer Nebenarme trieb Mühlen, Schmieden und Sägewerke an. Die Au war Münchens erstes Gewerbegebiet, lange bevor man dieses Wort kannte.

Bis zur Eingemeindung 1854 war die Au eine eigenständige Stadt, die zehntgrößte Bayerns. Karl Valentin, der berühmteste Bürger des Viertels, wurde 1882 in der Zeppelinstraße 41 geboren. In seinen humoresken Texten beschrieb er das harte, entbehrungsreiche Leben einer Vorstadt, die sich nie aufgegeben hat.

Der Auer Mühlbach: Lebensader mit sieben Kilometern Geschichte

Der Auer Mühlbach ist ein sieben Kilometer langer Stadtbach, gespeist aus Isarwasser, mit einem konstanten Durchfluss von zehn Kubikmetern pro Sekunde. Schon im 14. Jahrhundert wurde im Süden Münchens ein großes Isarwehr errichtet, um den Wasserbedarf der wachsenden Stadt zu decken. Der Mühlbach lieferte die Antriebskraft für Getreidemühlen, Hammerwerke, Walkmühlen und Schleifereien.

Im 19. Jahrhundert durchzog ein Netz von über 50 Bächen die Münchner Altstadt. Man nannte die Stadt „Klein-Venedig“. Dann kamen die 1960er Jahre und der U-Bahn-Bau. Die meisten Bäche wurden zubetoniert, verrohrt, vergessen.

Der Auer Mühlbach überlebte. Seit dem Jahr 2000 werden Betondecken entfernt, der Bach wird an immer mehr Stellen wieder sichtbar. An der Mondstraße, dort wo er für einige Meter an der Oberfläche auftaucht, entstand Münchens schönster Geheimtipp: historische Herbergshäuser direkt am offenen Wasser. Klein-Venedig, mitten in Giesing und der Au. Ein Rentner, der ins Wasser springt, um Entenküken zu retten. Eine Tauschbörse im Hauseingang. Ein Traktor an der Ecke. Hier funktioniert Nachbarschaft, wie Stadtplaner sie sich wünschen.

Was den Alltag in der Au prägt

Die Au ist kein geschliffenes Viertel. Sie ist rau, ehrlich und überraschend schön, wenn man sich die Zeit nimmt, hinzusehen.

Der Mariahilfplatz ist das Zentrum. Dreimal im Jahr findet hier die Auer Dult statt, einer der ältesten Jahrmärkte Münchens: Antiquitäten, Geschirr, Trödel, Karussells. Im Museum Lichtspiele, einem der letzten unabhängigen Kinos Münchens, läuft seit Jahrzehnten die Rocky Horror Picture Show. Das Café Hüller serviert Kuchen, wie ihn Großmütter backen. Die Kraemer’sche Kunstmühle, eine ehemalige Getreidemühle am Mühlbach, beherbergt heute Büros und das Café Fausto mit selbstgeröstetem Kaffee.

Wer am Mühlbach entlanggeht, Richtung Süden, erreicht die Isarauen und den Flaucher. Hier liegen Münchner im Sommer am Kies, grillen und schwimmen. Die Isar ist fünf Gehminuten entfernt, die Innenstadt zehn. Die Gebsattelbrücke bietet einen Blick über das Viertel, der erklärt, warum Menschen hier nicht wegziehen.

Im Schatten von Haidhausen: Warum die Au jetzt aufholt

Jahrzehntelang stand die Au im Schatten der Nachbarin Haidhausen. Während Haidhausen saniert, gentrifiziert und als Szeneviertel gefeiert wurde, blieb die Au das, was sie immer war: bodenständig, etwas schlicht, übersehen.

Das ändert sich. Die Gründe sind die gleichen, die Haidhausen vor dreissig Jahren attraktiv machten: Isarnähe, gewachsene Strukturen, Charakter. Dazu kommt etwas, das Haidhausen verloren hat: bezahlbare Substanz. Nicht jeder Altbau in der Au ist saniert. Nicht jedes Grundstück ist optimal genutzt. Für Käufer, die früh kommen, ist das eine Chance.

Haus Mühlbach: Wenn ein Projekt den Ort ernst nimmt

In ein Viertel wie die Au passt nur, was den Mühlbach versteht. Nicht als Kulisse für Rendering-Bilder, sondern als historische Lebensader, die dem Ort seinen Namen und seinen Charakter gibt.

Das Haus Mühlbach nimmt diese Geschichte auf. Ein Projekt, das sich in Materialität und Maßstab an der Umgebung orientiert, den Bach nicht als Dekor begreift, sondern als Ausgangspunkt für eine Architektur, die Bestand haben soll. Werte, die hier entstehen, sind für die nächste Generation gedacht. In einem Viertel, das gerade erst beginnt, seinen wahren Wert zu entfalten, ist das der richtige Zeitpunkt.

Häufig gestellte Fragen zur Au

Was macht die Au als Wohnort attraktiv?

Die Kombination aus dörflichem Charme, Mühlbach-Idylle, Isarnähe und zentraler Lage. Die Au bietet gewachsene Nachbarschaft und Charakter, ohne die Preise der etablierten Toplagen zu erreichen.

Was ist der Auer Mühlbach?

Ein sieben Kilometer langer, aus Isarwasser gespeister Stadtbach, der seit dem Mittelalter die wirtschaftliche Lebensader der Au war. Seit 2000 wird er an immer mehr Stellen freigelegt und prägt das Viertel als erlebbares Naturdenkmal.

Für welche Käufer eignet sich die Au?

Eigennutzer, die Charakter und Substanz einem polierten Erscheinungsbild vorziehen, sowie Early Adopter, die das Potenzial eines aufstrebenden Viertels früh erkennen. Auch Familien schätzen die Au wegen ihrer Isarnähe und dörflichen Atmosphäre.

Ein Viertel, das seine beste Zeit noch vor sich hat

Die Au war Armenhaus, Gewerbegebiet, Arbeitervorstadt, vergessene Nachbarin. Jeder dieser Titel war einmal wahr. Keiner beschreibt, was die Au heute ist: ein Viertel mit Geschichte, Charakter und einem Mühlbach, der seit siebenhundert Jahren fließt und nicht vorhat, damit aufzuhören.

Wer hier kauft, kauft nicht in ein fertiges Produkt. Er kauft in einen Ort, der sich gerade verändert, ohne sich selbst zu verlieren. Das ist die seltsamste und die wertvollste Art von Wertsteigerung: die, die von innen kommt.

 

Quellen

[1] München Tourismus: Spaziergang am Auer Mühlbach

[2] Wikipedia: Auer Mühlbach

[3] München Tourismus: Haidhausen und Au

[4] Mit Vergnügen München: Die Au damals und heute

[5] Engel & Völkers: Immobilienpreise Au-Haidhausen 2026

 

Pierre Legrand

Was Sie auch interessieren könnte

© Fahroni

Haidhausen abseits der Touristenwege

Die meisten kennen Haidhausen von seinen Lokalen und vom Wiener Platz. Doch ein paar Straßen weiter beginnt ein stilleres Viertel: alte Herbergshäuschen, in denen einst Tagelöhner wohnten, das Franzosenviertel mit seinen Gründerzeitfassaden und ruhige Höfe, die kaum ein Tourist findet. Dieser Spaziergang führt durch das unbekanntere Haidhausen.

Weiterlesen …

© towfiqu_barbhuyia

Premium-Kindergärten und Krippen in Bogenhausen: Betreuung mit Anspruch

In Altbogenhausen und im Herzogpark endet die Suche nach Betreuung selten an der nächsten Ecke, sondern bei der Frage nach dem richtigen Konzept. Das Viertel hat mehrere bilinguale Premium-Kitas, lange Öffnungszeiten und kurze Wege. Dieser Überblick zeigt die Häuser, die Anmeldung über den Kita-Finder und die Zuschüsse, die Familien entlasten.

Weiterlesen …

© simbiothy

Cafés in der Maxvorstadt: Das Wohnzimmer des Uni-Viertels

Die Maxvorstadt ist Münchens Universitäts- und Kunstviertel, und sie trinkt Kaffee wie kaum ein anderes. Zwischen Türken-, Schelling- und Brienner Straße liegt eine der dichtesten Café-Landschaften der Stadt, vom altehrwürdigen Kaffeehaus über das vegetarische Traditionscafé bis zum Studierenden-Treff. Dieser Überblick führt durch die schönsten Adressen.

Weiterlesen …

Zurück zur Newsübersicht

Kontakt

X
Telefon
T +49 89 540 42 67 31

Mo.-Do. 9.00 - 17.30 Uhr
Fr. 9.00 - 15.30 Uhr

E-Mail

Wir sind für Sie da

Rückruf vereinbaren

Wir melden uns bei Ihnen