Der Englische Garten im Frühsommer

  • Der Englische Garten ist mit rund 375 Hektar einer der größten innerstädtischen Parks der Welt, 1789 unter Kurfürst Karl Theodor angelegt.
  • Zu seinen bekanntesten Orten zählen der Chinesische Turm mit Biergarten, der Monopteros, der Kleinhesseloher See mit dem Seehaus und die Eisbachwelle am Südrand.
  • Die Eisbachwelle war nach einem tödlichen Unfall 2025 gesperrt und wurde im Mai 2026 unter Sicherheitsauflagen wieder für erfahrene Surfer freigegeben.

Wenn der Frühsommer kommt, wird der Englische Garten zur grünen Mitte Münchens. Auf rund 375 Hektar treffen sich Spaziergänger, Sonnenanbeter und Biergartenbesucher, dazwischen surfen Mutige auf der Eisbachwelle. Dieser Spaziergang führt durch einen der größten Stadtparks der Welt, vom südlichen Trubel bis zur stillen Aue im Norden.

Ein Park von Weltformat

Mit rund 375 Hektar gehört der Englische Garten zu den größten innerstädtischen Parks der Welt, größer als der Central Park in New York oder der Hyde Park in London. Angelegt wurde er ab 1789 unter Kurfürst Karl Theodor, gestaltet im Stil des englischen Landschaftsgartens unter anderem von Friedrich Ludwig von Sckell. Der Name verweist auf eben dieses Vorbild: ein Park, der nicht streng geometrisch geordnet ist, sondern wie eine idealisierte Natur wirkt, mit weiten Wiesen, geschwungenen Wegen und alten Baumgruppen.

Im Frühsommer zeigt sich dieser Charakter von seiner schönsten Seite. Das Gras leuchtet, der Schwabinger Bach plätschert durch den Park, und die Wiesen füllen sich mit Decken, Picknicks und Frisbeespielern. Für München ist der Englische Garten der gemeinsame Garten der ganzen Stadt, ein Ort, an dem sich Studierende, Familien, Geschäftsleute und Touristen begegnen, ohne Eintritt und ohne Öffnungszeiten.

Vom kurfürstlichen Park zum Volkspark

Die Idee zum Englischen Garten stammt von Benjamin Thompson, dem späteren Reichsgrafen von Rumford, einem Offizier in bayerischen Diensten. 1789 ordnete Kurfürst Karl Theodor die Anlage eines Gartens für das Volk an, ungewöhnlich für eine Zeit, in der Parks meist dem Adel vorbehalten waren. Schon der Name war Programm: ein Garten nach englischem, nicht nach französisch-höfischem Vorbild, von Anfang an offen für alle Bürger.

Die gärtnerische Gestaltung lag wesentlich bei Friedrich Ludwig von Sckell, der dem Park seine bis heute prägende Form gab. Über die Jahrhunderte wuchs die Anlage nach Norden, Bauten wie der Monopteros kamen hinzu, und aus dem kurfürstlichen Garten wurde der Volkspark, der er bis heute ist. Diese lange Kontinuität macht den Englischen Garten zu einem der beständigsten Orte der Stadt.

Die großen Treffpunkte

Im südlichen, stadtnahen Teil liegen die bekanntesten Orte. Der Chinesische Turm mit seinem großen Biergarten, einem der größten Münchens, ist der klassische Treffpunkt; an schönen Tagen spielt eine Blaskapelle, und der Maßkrug steht neben dem Studienbuch. Wenige Schritte entfernt erhebt sich der Monopteros, ein klassizistischer Rundtempel, den Leo von Klenze 1836 auf einem künstlichen Hügel errichten ließ. Von hier reicht der Blick über die Wiesen bis zu den Türmen der Altstadt, ein beliebter Platz für den Sonnenuntergang.

Weiter nördlich weitet sich der Park zum Kleinhesseloher See, auf dem im Sommer Ruderboote unterwegs sind. An seinem Ufer liegt das Seehaus mit Biergarten und Restaurant, eine der schönsten Wasserlagen der Stadt. Dazwischen liegen die großen Liegewiesen, auf denen sich beim ersten warmen Wetter halb München sonnt, traditionell teils auch ganz unbekleidet, denn der Englische Garten gehört zu den Parks, in denen das seit jeher selbstverständlich ist. Etwas versteckter, auf einer kleinen Insel am Südrand nahe dem Haus der Kunst, liegt das Japanische Teehaus, ein Geschenk zur Olympiade 1972, in dem an Sommerwochenenden Teezeremonien stattfinden.

Die Eisbachwelle: Surfen mitten in der Stadt

Am südlichen Rand des Parks, an der Prinzregentenstraße nahe dem Haus der Kunst, liegt eine der ungewöhnlichsten Attraktionen Münchens: die Eisbachwelle. Auf dieser stehenden Welle eines Isar-Seitenarms surfen geübte Flusssurfer das ganze Jahr über, im kalten Wasser und unter den Augen zahlloser Zuschauer. Offiziell erlaubt ist das Surfen hier seit 2010; seither ist die Welle ein Wahrzeichen der Stadt geworden.

Zuletzt hatte die Welle eine schwierige Zeit. Nach einem tödlichen Unfall im April 2025, bei dem sich die Sicherungsleine einer Surferin unter Wasser verhakte, wurde das Surfen gesperrt, und eine Bachauskehr im Herbst 2025 ließ die Welle zeitweise ganz verschwinden. Im Mai 2026 hat die Stadt sie per Allgemeinverfügung wieder freigegeben, allerdings unter klaren Auflagen: nur für geübte und erfahrene Flusssurfer, auf eigene Gefahr, bis 22 Uhr und mit einer selbstöffnenden Sicherungsleine. Für Zuschauer war und ist die Welle ohnehin jederzeit ein Erlebnis. Diszipliniert wartet ein Surfer nach dem anderen am Ufer, springt auf die stehende Welle und reitet sie ab, während sich am Geländer der Prinzregentenbrücke die Zuschauer drängen, ein Schauspiel, das es in dieser Form in kaum einer anderen Großstadt gibt.

Der stille Norden: Hirschau und Aumeister

Jenseits des Mittleren Rings, der den Park unterquert, beginnt der weniger bekannte, ruhigere Teil des Englischen Gartens. Hier wird aus dem belebten Stadtpark eine weite, fast ländliche Aue mit Wiesen, Wäldchen und Bachläufen. Wer dem Trubel im Süden entkommen will, findet hier Platz und Stille, ideal für lange Spaziergänge und Läufe.

Auch die großen Biergärten des Nordens liegen hier: die Hirschau und, ganz am nördlichen Ende nahe der Studentenstadt, der Aumeister, ein traditionsreiches Wirtshaus mit Garten unter alten Bäumen. Dieser Teil des Parks grenzt unmittelbar an die Isar, die ihn vom Herzogpark und von Altbogenhausen trennt, beide nur eine Brücke entfernt. An warmen Tagen ist dieser Norden die ruhigere Alternative zu den belebten Wiesen im Süden, und gerade für Anwohner der östlichen Isarlagen oft der nähere Teil des Parks.

Was den Park im Alltag bedeutet

Der Englische Garten ist kein Museum, sondern ein Park zum Benutzen. Hier wird gelaufen und Rad gefahren, auf dem Kleinhesseloher See gerudert, auf den Wiesen Frisbee und Federball gespielt, Yoga praktiziert und stundenlang gelesen. Im Sommer kommen kleine Feste und Open-Air-Momente dazu, im Winter Spaziergänge im Schnee und gelegentlich Schlittenfahrten am Monopteros-Hügel. Der Park bietet Raum für fast jede Form der Erholung, ohne dass man sich anmelden oder etwas bezahlen müsste.

Den sozialen Mittelpunkt bilden die Biergärten. Der Chinesische Turm, das Seehaus, die Hirschau und der Aumeister sind Treffpunkte, an denen sich der Park abends sammelt. Maßkrug und mitgebrachte Brotzeit, Selbstbedienung und lange Tische, das ist die unkomplizierte, demokratische Seite Münchens, an der nebeneinander sitzt, wer sonst wenig miteinander zu tun hat.

Frühsommer im Garten

Kein Monat zeigt den Englischen Garten so wie der Frühsommer. Die Abende werden lang, nach Feierabend füllt sich der Biergarten, und auf den Wiesen bleibt man, bis das Licht geht. Es ist die Zeit der ersten Bäder im Eisbach und Schwabinger Bach, der Picknicks zur Spargelsaison und der spontanen Treffen, die sich über Stunden ziehen.

Wer den Park zu seinen besten Zeiten erleben will, kommt früh oder spät: am Morgen, wenn die Wiesen noch leer und die Läufer unter sich sind, oder am Abend, wenn die Hitze nachlässt und der Monopteros zum Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang wird. Mancher Sommerbrauch hat hier seinen festen Ort, etwa der Kocherlball, ein frühmorgendliches Tanzfest am Chinesischen Turm im Hochsommer. Es ist diese Mischung aus Großstadt und unmittelbarer Natur, die den Park im Frühsommer so unwiderstehlich macht.

Der Park vor der Haustür

So groß der Englische Garten ist, am schönsten ist er für die, die ihn zur Nachbarschaft haben. Ein Park dieser Größe verändert den Alltag: Die Laufrunde führt nicht über Gehwege, sondern über Wiesen, der Sonntag beginnt mit einem Spaziergang statt mit der Anfahrt, und der Biergarten ist kein Ausflug, sondern das verlängerte Wohnzimmer. Wer am Wasser wohnt, lebt mit dem Wechsel der Jahreszeiten im Grünen. Genau das ist ein Vorzug, der sich nicht in Quadratmetern messen lässt, aber jeden Tag spürbar ist, im ersten Grün des Frühlings ebenso wie im Goldlicht des Herbstes.

Unsere Projekte an der Isar liegen genau an dieser Schwelle zwischen Stadt und Park. Das Haus Königswiese an der Neuberghauser Straße liegt an den Maximiliansanlagen am Isarhang, die Thomas-Mann-Allee im Herzogpark sogar in erster Reihe zur Isar. Von beiden ist der nördliche Englische Garten über die Brücken in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Im Frühsommer ist das ein Vorzug, der sich jeden Tag aufs Neue bemerkbar macht.

Quellen

  1. Abendzeitung München, Münchner Eisbachwelle wird wieder geöffnet (8.5.2026)
  2. ZDFheute, Eisbachwelle: Surfen wieder erlaubt, mit Einschränkungen
  3. Landeshauptstadt München, Eisbach-Surferwelle: die aktuelle Situation
  4. München Tourismus, Eisbachwelle
  5. Time Out München, Eisbach (Surfen seit 2010 erlaubt)
Tonio Stübing

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