Internationale Schulen in München im Vergleich: IB, Europäisches Abitur und bilinguale Wege
- München bietet jedes Modell: BIS und MIS unterrichten englischsprachig nach dem International Baccalaureate, Phorms zweisprachig deutsch-englisch bis zum deutschen Abitur.
- Die Europäische Schule München in Neuperlach führt zum Europäischen Abitur, das Lycée Jean Renoir zum französischen Baccalauréat, St. George's zu IGCSE und IB-Diplom.
- Entscheidend ist der Zielabschluss: IB-Diplom, Europäisches und französisches Abitur sind in Deutschland als Hochschulzugang anerkannt, ein deutsches Abitur legt man an Schulen wie Phorms ab.
München zieht internationale Familien an, und mit ihnen ist über Jahrzehnte eine dichte Schullandschaft gewachsen. Sie reicht vom englischsprachigen IB World School über die mehrsprachige Europäische Schule bis zur bilingualen Privatschule mit deutschem Abitur. Dieser Vergleich ordnet die wichtigsten Schulen nach Sprache, Lehrplan, Abschluss und Lage.
Was eine internationale Schule ausmacht
Der Begriff "internationale Schule" führt leicht in die Irre, denn er meint drei sehr verschiedene Modelle. Die erste Gruppe unterrichtet auf Englisch nach dem International Baccalaureate und richtet sich an eine weltweit mobile Schülerschaft. Die zweite folgt einem nationalen oder europäischen Lehrplan, etwa die Europäische Schule, das französische Lycée oder die britische St. George's. Die dritte sind bilinguale Schulen im deutschen System, die zum deutschen Abitur führen, den Unterricht aber zweisprachig anlegen. Dass München eine solche Dichte an Schulen trägt, liegt an internationalen Konzernen, Forschungseinrichtungen und europäischen Behörden wie dem Europäischen Patentamt, die seit Jahrzehnten Familien aus aller Welt anziehen.
Daraus folgt die wichtigste Frage vor jeder Anmeldung: Welcher Abschluss soll am Ende stehen? Er bestimmt, in welche Universitäten und in welches Land der Weg führt, und er grenzt die Auswahl stärker ein als jedes andere Kriterium. Sprache, Lage und Schulgeld kommen erst danach.
Die IB-Schulen: BIS und MIS
Die Bavarian International School (BIS) ist eine gemeinnützige Schule mit zwei Standorten: dem Campus Haimhausen (Hauptstraße 1, 85778 Haimhausen) auf dem Gelände von Schloss Haimhausen, rund 15 Kilometer nördlich von München, und dem City Campus in Schwabing (Leopoldstraße 208, 80804 München). Rund 1.250 Kinder und Jugendliche aus etwa 70 Nationen lernen hier im Alter von 3 bis 19 Jahren. BIS ist die einzige IB World School in Deutschland, die alle vier IB-Programme anbietet, vom Primary Years Programme über das Middle Years Programme und das Diploma Programme bis zum Career-related Programme. Unterrichtssprache ist Englisch, Deutsch wird als weitere Sprache geführt. Der City Campus deckt die Jahre bis etwa elf ab, danach wechseln die Kinder mit garantiertem Platz nach Haimhausen.
Die Munich International School (MIS) liegt im Schloss Buchhof in Starnberg, etwa 20 Kilometer südwestlich der Stadt im Fünfseenland. Sie wurde 1966 als eine der ersten internationalen Schulen Deutschlands gegründet und bietet seit 1980 das IB-Programm, ebenfalls mit PYP, MYP und Diploma Programme für Kinder von 4 bis 18 Jahren. Rund 1.300 Schülerinnen und Schüler aus etwa 70 Nationen besuchen die englischsprachige Ganztagsschule, die über ein dichtes Netz von Schulbussen mit dem Großraum München verbunden ist.
An beiden Schulen ist das IB-Diplom der Abschluss. Die Kultusministerkonferenz erkennt es seit 1986 als dem Abitur gleichwertige Hochschulzugangsberechtigung an, sofern die Fächerkombination den Vorgaben entspricht. Ein deutsches Abitur legt man an BIS und MIS nicht ab. Beide Schulen sind international akkreditiert, beim Council of International Schools und der amerikanischen NEASC, und ergänzen den Unterricht um ein breites Programm aus Sport, Musik und Projekten wie Model United Nations.
Mehrsprachig und national: Europäische Schule, Lycée, St. George's
Die Europäische Schule München (ESM) an der Elise-Aulinger-Straße 21 in Neuperlach ist eine von dreizehn Europäischen Schulen und wurde 1977 gegründet. Sie unterrichtet die Amtssprachen aller EU-Länder durch muttersprachliche Lehrkräfte und ordnet die Kinder Sprachsektionen zu, darunter Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Niederländisch, im Grundschulbereich auch Griechisch und Spanisch. Der Abschluss ist das Europäische Abitur, das in allen EU-Staaten als Hochschulzugang gilt. Vorrang bei der Aufnahme haben Kinder von Bediensteten europäischer Einrichtungen, allen voran des in München ansässigen Europäischen Patentamts; andere Familien kommen je nach freien Plätzen zum Zug.
Das Lycée Jean Renoir ist die größte französische Schule in Deutschland, 1953 gegründet und direkt von der französischen Agentur AEFE geführt. Die Grundschule liegt in Giesing (Ungsteiner Straße 50), der weiterführende Teil in Sendling (Berlepschstraße 3). Rund 1.400 Schülerinnen und Schüler von 2 bis 18 Jahren lernen nach französischem Lehrplan, ergänzt um bayerische Landeskunde. Als Abschluss stehen das französische Baccalauréat oder das deutsch-französische AbiBac zur Wahl, das beide Hochschulzugänge verbindet.
Die St. George's School Munich an der Heidemannstraße 182 folgt dem englischen Lehrplan. Sie führt zunächst zum IGCSE und anschließend zum IB-Diplom, unterrichtet auf Englisch und nimmt Kinder von 2 bis 18 Jahren auf. Daneben bestehen in München kleinere muttersprachliche Schulen einzelner Communities, etwa für japanische Familien, deren Profil eng an das jeweilige Heimatsystem gekoppelt ist.
Bilingual mit deutschem Abschluss: Phorms
Wer das deutsche Abitur anstrebt, sein Kind aber zweisprachig erziehen möchte, findet die naheliegendste Lösung am Phorms Campus München (Maria-Theresia-Straße 35, 81675 München) in Bogenhausen. Phorms ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule in Trägerschaft der Phorms Bavaria gGmbH, 2007 gegründet, und führt Kinder durchgängig von der Krippe bis zum Abitur. Unterrichtet wird zweisprachig in Deutsch und Englisch, meist im Immersionsmodell mit je einer deutsch- und einer englischsprachigen Lehrkraft, der bayerische Lehrplan bleibt die Grundlage. Das Schulgeld ist einkommensabhängig gestaffelt.
Diese Mischung ist für Familien interessant, die im deutschen System bleiben und zugleich auf hohem Niveau Englisch lernen wollen. Eine günstigere Variante bieten einzelne staatliche Gymnasien mit bilingualem Zug, die Französisch oder Englisch verstärkt unterrichten und zum regulären Abitur führen.
Wie Familien die richtige Schule finden
Am Anfang steht der Zielabschluss. Das IB-Diplom an BIS oder MIS eröffnet die größte internationale Mobilität und passt zu Familien, die ohnehin alle paar Jahre den Standort wechseln. Das deutsche Abitur über Phorms oder ein bilinguales Gymnasium ist die Wahl, wenn die Kinder im deutschen System studieren und bleiben sollen. Das Europäische Abitur lohnt sich vor allem für Familien aus dem Umfeld europäischer Institutionen, das französische Baccalauréat für frankophone Familien oder eine geplante Rückkehr.
Danach zählen Sprache und Standort. Eine voll englischsprachige Umgebung bieten BIS, MIS und St. George's, einen zweisprachigen Weg im deutschen System Phorms, eine mehrsprachige Bildung die Europäische Schule. Beim Standort trennt sich die Stadt vom Umland: Der City Campus von BIS in Schwabing, Phorms in Bogenhausen, das Lycée in Giesing und Sendling sowie die Europäische Schule in Neuperlach liegen im Stadtgebiet. MIS in Starnberg und der Hauptcampus von BIS in Haimhausen liegen außerhalb und sind auf den Schulbus angewiesen, der dort fester Teil des Schultags ist.
Beim Aufnahmeverfahren sind die IB-Schulen am stärksten formalisiert: Bewerbung mit Zeugnissen, ein Sprach- oder Einstufungsgespräch, Aufnahme oft auch während des Schuljahrs, weil sie auf mobile Familien eingestellt sind. Die Europäische Schule bevorzugt Kinder europäischer Bediensteter, das Lycée französische und AEFE-Familien. Plätze sind in beliebten Jahrgängen knapp, eine frühe Anmeldung verschafft Spielraum.
Auch die Kosten unterscheiden sich deutlich. Die englischsprachigen IB-Schulen liegen am oberen Ende, meist mit zusätzlicher Aufnahmegebühr, und schließen teils Vereinbarungen mit den Arbeitgebern internationaler Mitarbeiter. Die Europäische Schule folgt einer eigenen Logik, in der Kinder europäischer Bediensteter bevorzugt und finanziell entlastet werden. Nationale Schulen wie das Lycée sind für Familien des Herkunftslandes häufig teilsubventioniert, bilinguale deutsche Schulen wie Phorms staffeln das Schulgeld nach Einkommen. Konkrete Beträge ändern sich jährlich und stehen auf den Schulseiten.
Ein praktischer Punkt verbindet fast alle: Es sind Ganztagsschulen mit langem Schultag und einem breiten Nachmittagsprogramm, von Coding über Debating bis Sport. Für berufstätige Eltern ist das ein Vorteil. Für ein Kind, das täglich mit dem Schulbus nach Starnberg oder Haimhausen fährt, summiert sich der Tag allerdings, und genau hier zahlt eine kurze, zentrale Wohnlage am deutlichsten ein.
Häufig gestellte Fragen
Kann man an einer internationalen Schule in München das deutsche Abitur machen?
An den großen IB-Schulen BIS und MIS nicht; sie führen zum IB-Diplom. Das deutsche Abitur legt man an bilingualen Schulen wie Phorms oder an staatlichen Gymnasien ab. Die Europäische Schule führt zum Europäischen Abitur, das Lycée Jean Renoir zum französischen Baccalauréat oder zum kombinierten AbiBac.
Werden IB-Diplom und Europäisches Abitur in Deutschland anerkannt?
Ja. Die Kultusministerkonferenz erkennt das IB-Diplom seit 1986 als Hochschulzugangsberechtigung an, sofern die Fächerwahl den Vorgaben entspricht. Das Europäische Abitur gilt in allen EU-Staaten als Hochschulzugang, das französische Baccalauréat ebenfalls.
Welche internationale Schule liegt am zentralsten?
Im Stadtgebiet liegen der BIS City Campus in Schwabing, Phorms in Bogenhausen, das Lycée in Giesing und Sendling sowie die Europäische Schule in Neuperlach. MIS in Starnberg und der BIS-Hauptcampus in Haimhausen liegen außerhalb und werden über ein Schulbusnetz erschlossen.
Wie läuft die Aufnahme an internationalen Schulen ab?
In der Regel über eine Bewerbung mit Zeugnissen und ein Sprach- oder Einstufungsgespräch. An den IB-Schulen ist eine Aufnahme häufig ganzjährig möglich. Die Europäische Schule und das Lycée bevorzugen bestimmte Gruppen. Da Plätze begrenzt sind, lohnt eine frühe Anmeldung.
Die Schule entscheidet sich mit dem Standort
Die Wahl der internationalen Schule ist auch eine Frage des täglichen Wegs. Eine zentrale, gut angebundene Adresse hält die meisten Optionen offen: Von dort sind der BIS City Campus, Phorms, das Lycée und die Europäische Schule erreichbar, während die Campus-Schulen in Starnberg und Haimhausen den Schulbus voraussetzen. Wer den Schulweg früh mitdenkt, entscheidet die Schulfrage nicht gegen die Lage, sondern aus ihr heraus.
Unsere Projekte liegen in genau solchen zentralen, gut vernetzten Lagen, von den MAX HÖFE in der Maxvorstadt, wenige Minuten vom BIS City Campus in Schwabing, bis zum Haus Königswiese in Altbogenhausen. Die Schulfrage gehört damit in dieselbe Planung wie die Wohnungssuche: Erst der Zielabschluss, dann die Schule, und mit der Adresse entscheidet sich, wie kurz der Schulweg am Ende ausfällt.
Quellen
- Bavarian International School, BIS at a Glance
- Munich International School, offizielle Website
- Europäische Schule München, Europäisches Abitur
- Lycée Jean Renoir de Munich, Allgemeine Informationen
- Phorms Campus München, bilinguale Schule
- Landeshauptstadt München, Internationale Schulen und Kindergärten
Was Sie auch interessieren könnte
Haidhausen abseits der Touristenwege
Die meisten kennen Haidhausen von seinen Lokalen und vom Wiener Platz. Doch ein paar Straßen weiter beginnt ein stilleres Viertel: alte Herbergshäuschen, in denen einst Tagelöhner wohnten, das Franzosenviertel mit seinen Gründerzeitfassaden und ruhige Höfe, die kaum ein Tourist findet. Dieser Spaziergang führt durch das unbekanntere Haidhausen.
Premium-Kindergärten und Krippen in Bogenhausen: Betreuung mit Anspruch
In Altbogenhausen und im Herzogpark endet die Suche nach Betreuung selten an der nächsten Ecke, sondern bei der Frage nach dem richtigen Konzept. Das Viertel hat mehrere bilinguale Premium-Kitas, lange Öffnungszeiten und kurze Wege. Dieser Überblick zeigt die Häuser, die Anmeldung über den Kita-Finder und die Zuschüsse, die Familien entlasten.
Weiterlesen … Premium-Kindergärten und Krippen in Bogenhausen: Betreuung mit Anspruch
Cafés in der Maxvorstadt: Das Wohnzimmer des Uni-Viertels
Die Maxvorstadt ist Münchens Universitäts- und Kunstviertel, und sie trinkt Kaffee wie kaum ein anderes. Zwischen Türken-, Schelling- und Brienner Straße liegt eine der dichtesten Café-Landschaften der Stadt, vom altehrwürdigen Kaffeehaus über das vegetarische Traditionscafé bis zum Studierenden-Treff. Dieser Überblick führt durch die schönsten Adressen.
Weiterlesen … Cafés in der Maxvorstadt: Das Wohnzimmer des Uni-Viertels
