Die Isar-Auen im Frühsommer

  • Zwischen 2000 und 2011 wurde die Isar im Stadtgebiet auf acht Kilometern zwischen der Großhesseloher Brücke und dem Deutschen Museum renaturiert (Isar-Plan), für rund 35 Millionen Euro.
  • Das Ergebnis sind breite Kiesbänke, naturnahe Auen und ein verbesserter Hochwasserschutz; die Isar ist heute Münchens größtes innerstädtisches Naherholungsgebiet am Wasser.
  • Die Isar entspringt im Karwendel und fließt rund 290 Kilometer bis zur Donau; ihr Name bedeutet „die Reißende“.

Im Frühsommer wird die Isar zum Strand der Stadt. Auf den Kiesbänken zwischen Flaucher und Deutschem Museum lagert halb München, im klaren Wasser schwimmen Mutige, und in den Auen kehrt die Natur zurück. Möglich gemacht hat das der Isar-Plan, eine der bekanntesten Renaturierungen Europas. Dieser Spaziergang führt entlang des Flusses.

Vom Kanal zur Flusslandschaft: der Isar-Plan

Noch vor zweihundert Jahren war die Isar ein wilder Voralpenfluss mit weiten Kiesbänken und vielen Armen, ihr Name bedeutet „die Reißende“. Ab 1806 wurde sie für Hochwasserschutz und Wasserkraft kanalisiert, in ein enges Korsett aus Beton und Steinen gezwängt. Erst nach dem Pfingsthochwasser 1999 setzte sich ein Umdenken durch, und mit dem Isar-Plan begann der Rückbau. Der 1959 errichtete Sylvensteinspeicher weit im Süden hält bis heute die größten Hochwasser zurück, doch in der Stadt selbst hatte die enge Verbauung den Fluss seines natürlichen Charakters beraubt.

Von 2000 bis 2011 gestalteten die Stadt München und der Freistaat Bayern, vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt, die Isar auf acht Kilometern zwischen der Großhesseloher Brücke und dem Deutschen Museum naturnah um, unter dem Motto „Neues Leben für die Isar“ und für rund 35 Millionen Euro. Das Flussbett wurde stark verbreitert, die starren Ufer wurden entfernt, neue Kiesbänke und Inseln angelegt. Drei Ziele standen dabei zugleich im Raum: ein besserer Hochwasserschutz, die ökologische Renaturierung und ein höherer Freizeitwert.

Das Projekt gilt heute als eines der bekanntesten wasserbaulichen Vorhaben Europas; selbst eine Delegation aus Los Angeles kam, um sich für die Umgestaltung des dortigen Flusses Anregungen zu holen. Seine erste Bewährungsprobe bestand der neue Flusslauf schon 2005, als ein fast hundertjährliches Hochwasser die Isar bis an die Deichkronen anschwellen ließ, ohne Schaden in der Stadt.

Die Kiesbänke: Münchens Sommerstrand

Das sichtbarste Ergebnis sind die Kiesbänke. Vom Flaucher im Süden, einem weitläufigen Auengebiet mit breiten Schotterbänken und alten Bäumen, bis hinunter zum Deutschen Museum reihen sich flache Uferzonen, auf denen sich im Sommer halb München niederlässt. Es wird gelagert, gegrillt, geschwommen und gespielt, und an heißen Wochenenden wirkt der Fluss wie ein langer, schmaler Stadtstrand, an dem sich Familien, Studierende und Berufstätige selbstverständlich mischen.

Das Wasser ist klar, kalt und im Sommer angenehm zum Baden, allerdings mit Respekt zu genießen: Die Isar hat Strömung, und nach Starkregen können Wasserqualität und Treibgut zum Risiko werden. Die Stadt hält die Wasserqualität in der Badesaison von April bis September mit eigenen Anlagen auf hohem Niveau. Wer die Regeln beachtet, findet hier mitten in der Stadt ein Stück Natur, wie es kaum eine andere Metropole bietet. Für das Grillen sind eigene Zonen ausgewiesen, und in den geschützten Auenbereichen gilt Rücksicht auf die Tierwelt. Diese Balance aus Freizeit und Naturschutz war von Anfang an Teil des Isar-Plans.

Die Auen und ihre Natur

Mit den Kiesbänken kam die Natur zurück. In den wiederhergestellten Weichholzauen aus Weiden und Pappeln hat sich der Biber wieder fest angesiedelt, an manchen Bäumen sind seine Spuren zu sehen. Durch flache Rampen statt starrer Wehre wurde der Fluss für Fische wieder durchgängig, und an den Kiesufern brüten Vögel, die offene Schotterflächen brauchen.

So ist im Stadtgebiet eine Landschaft entstanden, die einem Alpenfluss näher ist als einem Kanal: mit Nebenrinnen, Inseln und wechselnden Strömungen. Von der Großhesseloher Brücke am südlichen Stadtrand, einer Fußgänger- und Radbrücke hoch über dem Fluss, überblickt man dieses Isartal am besten, ein Bild, das eher an die Berge erinnert als an die Großstadt, die nur wenige Kilometer entfernt beginnt. Im Frühsommer steht das frische Grün der Auen im Kontrast zum hellen Kies und zum türkisen Wasser, eine Farbkombination, die den alpinen Ursprung des Flusses verrät.

Die Maximiliansanlagen: der grüne Rahmen

Auf dem östlichen Ufer, dort, wo die Isar an Bogenhausen grenzt, liegt ein zweiter grüner Streifen: die Maximiliansanlagen. Der langgestreckte Park wurde im 19. Jahrhundert unter König Maximilian II. als Promenade entlang des Isarhangs angelegt und reicht vom Maximilianeum flussaufwärts bis nach Altbogenhausen. Mit dem Friedensengel als Wahrzeichen ist er einer der schönsten Spazierwege der Stadt. Vom hochgelegenen Ufer reicht der Blick über den Fluss hinweg zur Altstadt, ein Panorama, das die enge Verbindung von Stadt und Strom zeigt.

Für die östlichen Wohnviertel ist dieser Park der unmittelbare Zugang zur Isar. Wer in Altbogenhausen oder im Herzogpark wohnt, hat die Maximiliansanlagen und über die Brücken die renaturierten Ufer praktisch vor der Tür, ein grüner Rahmen, der die Stadt vom Fluss her erlebbar macht.

Die Isar als grüne Achse

Die Isar ist mehr als eine Reihe von Badestellen, sie ist die grüne Achse, die München von Süd nach Nord durchzieht. Entlang beider Ufer führen durchgehende Spazier- und Radwege; der Isar-Radweg verbindet die Stadt mit dem Voralpenland und reicht flussaufwärts bis in die Berge. Wer mag, erkundet den Fluss vom Wasser aus, mit Kajak oder Kanu. Vom Süden bis in den Norden begleitet die Isar so den Alltag vieler Münchner, ob beim morgendlichen Lauf am Ufer oder auf dem Weg zur Arbeit am Wasser entlang.

An ihrem Lauf reihen sich Ausflugsziele: der Tierpark Hellabrunn in Thalkirchen, der Biergarten Zum Flaucher mitten in den Auen, die Floßlände, an der im Sommer die traditionellen Isarflöße anlegen. So wird der Fluss zum Band, das Erholung, Natur und Stadtleben miteinander verknüpft, ein Korridor, der die Stadt nicht trennt, sondern verbindet.

Ein Naturraum mitten in der Stadt

Das Bemerkenswerte an der Isar ist diese Gleichzeitigkeit: ein echter Naturraum, eingebettet in eine Millionenstadt. An einem einzigen Nachmittag kann man hier im klaren Wasser schwimmen, in den Auen einem Biber auf der Spur sein und doch in zwanzig Minuten wieder am Schreibtisch sitzen. Diese Nähe von beinahe alpiner Wildnis und Großstadt ist es, die den Fluss für die Münchner so wertvoll macht.

Sie ist auch über die Erholung hinaus ein Gewinn. Die renaturierten Abschnitte sind Lebensraum und Wanderkorridor für Tiere und Pflanzen, ein grünes Band, das bis weit ins Umland reicht. Und sie sind ein Stück Stadtkultur: Der Tag an der Isar gehört zum Münchner Sommer wie der Biergarten und das Volksfest, eine Selbstverständlichkeit, um die viele andere Städte München beneiden.

Frühsommer am Fluss

Im Frühsommer zeigt sich die Isar von ihrer besten Seite. Die Tage werden lang, das Schmelzwasser aus den Bergen färbt den Fluss türkis, und an den Ufern beginnt die Saison. Nach Feierabend füllen sich die Kiesbänke, am Wochenende wird daraus ein Treffpunkt für die ganze Stadt, vom Picknick bis zum Sprung ins kühle Wasser.

Was die Anwohner an der Isar im Frühling schätzen, das frische Grün und die ersten warmen Tage, steigert sich im Frühsommer zu vollem Leben. Zugleich bleibt der Fluss ein Naturraum, in dem Rücksicht gefragt ist: auf die Auen, die Tierwelt und die anderen, die hier Erholung suchen. Wer früh kommt, hat die schönsten Plätze und die ruhigsten Stunden. Am Abend, wenn die Sonne tief über dem Wasser steht und sich die Kiesbänke langsam leeren, zeigt der Fluss seine stillste und vielleicht schönste Seite.

Leben am Fluss

Die Nähe zur Isar ist eine der begehrtesten Lagequalitäten Münchens, und sie lässt sich nicht vermehren. Wer am Wasser wohnt, hat den Fluss als Erweiterung des eigenen Wohnraums: die Laufrunde am Ufer, den Feierabend auf der Kiesbank, den Spaziergang durch die Auen. Im Frühsommer wird daraus ein täglicher Vorzug, der sich nicht in Quadratmetern messen lässt. Es ist eine Qualität, die man nicht plant, sondern erbt, wenn man am richtigen Ort wohnt.

Unsere Projekte liegen genau hier, am östlichen Isarufer. Das Haus Königswiese an der Neuberghauser Straße liegt direkt an den Maximiliansanlagen, die Thomas-Mann-Allee im Herzogpark sogar in erster Reihe zur Isar. Von beiden sind die Auen, die Kiesbänke und die Wege am Fluss in wenigen Minuten erreichbar. Es ist diese Verbindung aus ruhiger Wohnlage und unmittelbarer Natur, die das Wohnen an der Isar so besonders macht.

Quellen

  1. Isar-Plan (Wikipedia): Zeitraum 2000 bis 2011, acht Kilometer, Kiesbänke, Hochwasserschutz
  2. Wasserwirtschaftsamt München, Isar-Plan
  3. Bayerisches Kultusministerium, Isar-Plan: acht Kilometer Wildwasser (Kosten, Eröffnung 2011)
  4. Bei uns in München, Isar (Renaturierung, Wasserqualität, Badesaison)
  5. Urban Waters, Renaturierung der Isar in München (Steckbrief)
Mona Wiesek

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