Die Isar im Frühling: Was Anwohner an ihr besonders lieben
- Die Maximiliansanlagen erstrecken sich über rund 30 Hektar und etwa zwei Kilometer am rechten Isarhochufer zwischen Ludwigs- und Max-Joseph-Brücke. Sie wurden 1856 bis 1866 unter Carl von Effner angelegt.
- Der 38 Meter hohe Friedensengel wurde zwischen 1896 und 1899 zur Erinnerung an die 25 Jahre Frieden nach dem Deutsch-Französischen Krieg errichtet und bildet den zentralen Punkt der Anlage.
- Im März blühen in den Maximiliansanlagen jedes Jahr die Sternhyazinthen, ein Naturschauspiel, das den Frühling am Isarhochufer einläutet. Die renaturierte Isar ist seit den 2000er Jahren über Kiesbänke und Inseln zugänglich.
Der Frühling an der Isar fängt mit den ersten Schwimmern an, mit dem Geruch nach Holzfeuer auf den Kiesbänken, mit dem Frühstück auf der Brücke. Wer am Hochufer wohnt, hört das Wasser jeden Tag. Im April hört man, dass es lauter wird.
Was den Münchnern die Isar bedeutet
Die Isar ist kein Fluss, an dem man vorbeiläuft. Sie ist ein Stadtteil im Querschnitt. Vom Tierpark Hellabrunn im Süden bis zum Föhringer Wehr im Norden zieht sie sich auf knapp 14 Kilometern durch München. Auf dieser Strecke verändert sich ihr Charakter mehrfach. Im Süden wild und durchgängig grün, im Zentrum gefasst zwischen Mauern und Brücken, im Norden offen mit Kiesbänken und Auwald.
Was München von anderen großen deutschen Städten unterscheidet, ist nicht der Fluss selbst, sondern vielmehr sein Zustand. Die Renaturierung in den 2000er Jahren hat aus einem begradigten Fließgewässer wieder etwas gemacht, das man betreten und sogar betreten muss. Die Isar in München ist eine der wenigen großen Flüsse Mitteleuropas, in dem man im Stadtgebiet bedenkenlos schwimmen kann. Wer das ein paar Mal gemacht hat, versteht, warum Anwohner ihre Adresse selten freiwillig wechseln.
Die Maximiliansanlagen: 30 Hektar Hochufer
Wer die Isar in ihrer kultivierten Form sucht, geht in die Maximiliansanlagen. Sie liegen auf dem rechten Isarhochufer zwischen Ludwigsbrücke und Max-Joseph-Brücke und ziehen sich über etwa zwei Kilometer Länge und 30 Hektar Fläche. Carl von Effner, ein Schüler des preußischen Hofgärtendirektors Peter Joseph Lenné, modellierte das Gelände zwischen 1856 und 1866 in eine künstliche Hügellandschaft. Vorher war es Schafweide gewesen, der Hang stark erodiert.
Heute ist die Anlage das, was Effner sich vorgestellt hatte: eine sanfte, durchformte Topografie aus Wegen, Wiesen, lichten Baumgruppen und gezielten Sichtachsen auf die Stadt. Im März blühen die Sternhyazinthen unter den Bäumen, im April öffnen sich die ersten Blattknospen, im Mai ziehen die Anwohner mit Picknickdecken auf die Wiesen. Spaziergänger, Jogger, Yoga-Gruppen, Hundebesitzer; der Park trägt sie alle, ohne dass es eng würde. Im Norden liegt der kleine Achtersee versteckt zwischen den Bäumen, im Süden gehen die Anlagen über in die Gasteiganlagen, die Effner zwischen 1861 und 1866 in derselben Gestaltung anlegte.
Über allem steht der Friedensengel. 38 Meter hoch, errichtet 1896 bis 1899, eine Säule mit der vergoldeten Nike darauf, am Fuß ein halbrunder Tempel mit Mosaiken, davor eine breite Treppenanlage. Das Denkmal war ein Auftrag des Prinzregenten Luitpold zum 25-jährigen Frieden nach dem Deutsch-Französischen Krieg. Heute ist es vor allem zwei Dinge: Aussichtspunkt und Treffpunkt. Wer hier oben sitzt und die Stufen nicht zählt, sieht über die Isarauen bis zur Frauenkirche.
Der erste Schwimmer ist eine Person
Im April beginnt etwas, das Münchner kennen und Auswärtige für mutig halten. Die ersten Schwimmer steigen ins Wasser. Nicht viele, oft nur ein oder zwei Frühaufsteher pro Kiesbank. Aber sie kommen. Die Isar hat im April typischerweise zwischen 8 und 12 Grad. Das reicht für den Geübten, der weiß, wo der Einstieg flach genug ist und wo er am anderen Ende wieder herauskommt.
In Bogenhausen geht das besser als an der Reichenbachbrücke. Dort, wo zwischen Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke im Sommer die Decken aneinanderhängen, steht der Frühschwimmer am Ostufer mit Blick auf die Maximiliansanlagen meistens allein. Die Renaturierung hat hier breite Kiesbänke geschaffen, die im Frühjahr trocken liegen, ehe der Schmelzwasserschub aus den Alpen sie kurzzeitig überspült. Wer das Geräusch des fließenden Wassers in seiner Wohnung hört, plant das ein.
Weißwurstfrühstück mit Blick aufs Wasser
Eine Münchner Eigenart, die sich am besten an der Isar zeigt: Das Frühstück ist eine Tageszeit, kein Mahlzeitenbegriff. Im April beginnen die ersten Bewohner, ihren Kaffee auf der Brücke zu trinken, in der Decke um die Schulter, mit Blick aufs Wasser. Auf der Maximiliansbrücke und der Luitpoldbrücke versammeln sich die ersten Sonntagspaare schon vor neun Uhr. Wer eine Brotzeit dabei hat, lehnt sich an die Brüstung und schaut.
Was es nicht gibt: Cafés direkt am Ufer. Was es dafür gibt: Cafés in der zweiten Reihe, in denen die Anwohner sich einfinden, wenn ihnen das Geländer zu kühl wird. Das Café im Hofgarten der Villa Stuck, der Hofbräukeller mit Blick auf die Maximiliansanlagen, das kleine Le Faubourg am Johannisplatz. Sie alle haben gemeinsam, dass sie nach dem Spaziergang zur Pause werden, nicht zum Ziel.
Wohnen am Wasser: Das stille Privileg der ersten Reihe
Was eine Adresse an der Isar ausmacht, lässt sich nicht in Quadratmetern messen. Es ist die akustische Konstante. Das Wasser fließt jeden Tag, mal lauter, mal leiser, und wer das einmal als Hintergrundton seiner Wohnung kennt, vermisst es überall sonst. Wer in Altbogenhausen, im Herzogpark oder am Lehel wohnt, kennt diese Lautstärke. Es ist der Grund, weshalb Anwohner ihre Adresse selten freiwillig wechseln.
Wohnadressen in dieser ersten Reihe sind selten. Die Thomas-Mann-Allee im Herzogpark gehört dazu. Ein Projekt mit zwölf Wohnungen zwischen 43 und 465 Quadratmetern, in erster Reihe zur Isar, mit Privatgärten, Loggien und Dachterrassen, deren Sichtachse die Maximiliansanlagen sind. Der Schriftsteller Thomas Mann wohnte zwei Gehminuten entfernt und nannte die Isarauen seinen „Zaubergarten". Wenige Hundert Meter südlich liegt das Haus Königswiese in Altbogenhausen, ebenfalls in unmittelbarer Nähe der Maximiliansanlagen, etwa 140 Meter zur Isar, 500 Meter zum Englischen Garten. Wer hier wohnt, hat auf seiner morgendlichen Runde die Wahl zwischen Hochufer und Wasserlinie.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde die Isar in München renaturiert?
Die Renaturierung der Isar im Stadtgebiet München fand in mehreren Bauabschnitten zwischen 2000 und 2011 statt. Aus dem zuvor begradigten und verbauten Fließgewässer wurde eine wieder zugängliche Flusslandschaft mit Kiesbänken, Inseln und natürlichen Uferbereichen. Das Projekt gilt als europäisches Vorbild für innerstädtische Gewässerentwicklung.
Wie groß sind die Maximiliansanlagen?
Die Maximiliansanlagen umfassen rund 30 Hektar und erstrecken sich auf etwa zwei Kilometern entlang des rechten Isarhochufers zwischen Ludwigsbrücke und Max-Joseph-Brücke. Sie wurden zwischen 1856 und 1866 unter Carl von Effner im Auftrag von König Maximilian II. angelegt.
Kann man in der Isar in München bedenkenlos schwimmen?
Ja. Die Isar gilt im Stadtgebiet als sauber. Der Wasserstand schwankt mit dem Schmelzwasserschub aus den Alpen, im April typischerweise 8 bis 12 Grad. Beliebte Einstiege liegen an den Kiesbänken zwischen Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke sowie in Bogenhausen zwischen Maximiliansbrücke und Max-Joseph-Brücke. Die Strömung ist nicht zu unterschätzen, gerade nach starken Niederschlägen.
Wann blühen die Sternhyazinthen in den Maximiliansanlagen?
Die Sternhyazinthen blühen jedes Jahr im März, je nach Witterung von Mitte bis Ende des Monats. Sie bilden in den Anlagen am Hang große blaue Teppiche unter den Bäumen, ein verlässlicher Indikator für den Beginn des Frühjahrs am Isarhochufer.
Wer das Wasser hört, sieht die Stadt anders
Im April öffnet sich die Isar. Aber sie öffnet sich nicht für jeden gleichzeitig. Wer auf einer Wohnstraße fern des Wassers lebt, merkt den Frühling am Datum. Wer am Hochufer wohnt, merkt ihn am Schwemmgut, am ersten Heizungsabschalten, an der Lautstärke des Auer Mühlbachs vor dem Schlafzimmerfenster.
Was die Isar zur Wohnadresse macht, ist nicht der Spaziergang am Wochenende. Es ist die Tatsache, dass sie immer da ist. An einem Mittwochmorgen im November genauso wie am Sonntag im April. In einer Stadt, deren Wohnungspreise stark schwanken, ist diese Verlässlichkeit selten geworden. Sie ist das einzige, was eine Lage am Wasser von einer Lage daneben unterscheidet, und sie ist der Grund, weshalb erste Reihen kaum frei werden.
Quellen
[1] Maximiliansanlagen, Bayerische Schlösserverwaltung — https://www.schloesser.bayern.de/deutsch/garten/objekte/mu_max.htm
[2] Maximiliansanlagen, muenchen.de — https://www.muenchen.de/sehenswuerdigkeiten/parks/maximiliansanlagen
[3] Maximiliansanlagen, Wikipedia — https://de.wikipedia.org/wiki/Maximiliansanlagen
[4] Maximiliansanlagen, BayernPortal — https://www.bayernportal.de/dokumente/behoerde/543635211678
[5] Geheime Isar-Badestellen Bogenhausen, muenchen.travel — https://www.muenchen.travel/artikel/stadt-viertel/viertelliebe-muenchen/geheime-isar-badestellen
[6] Friedensengel München, MUC Blog — https://muc-blog.com/friedensengel-monument-aussichtspunkt-und-uebergang-zwischen-stadt-und-isar/
[7] Friedensengel, Wikipedia — https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensengel_(M%C3%BCnchen)
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