Die Pinakotheken und das Kunstareal: Münchens Museumsviertel

  • Das Kunstareal in der Maxvorstadt bündelt auf engem Raum rund 16 Museen, darunter die drei Pinakotheken, das Museum Brandhorst, das Lenbachhaus und die Antikensammlungen am Königsplatz.
  • Die Neue Pinakothek ist seit 2019 wegen Generalsanierung geschlossen; ihre Sammlung des 19. Jahrhunderts ist derzeit in der Alten Pinakothek und in der Sammlung Schack zu sehen. Die Wiedereröffnung ist für 2030 geplant.
  • Geöffnet sind unter anderem die Alte Pinakothek (Alte Meister), die Pinakothek der Moderne (20. und 21. Jahrhundert) und das Museum Brandhorst an der Theresienstraße, Ecke Türkenstraße.

Auf wenigen hundert Metern in der Maxvorstadt liegt eine Museumsdichte, die europaweit ihresgleichen sucht. Das Kunstareal vereint die drei Pinakotheken, das Museum Brandhorst, das Lenbachhaus und die Antikensammlungen am Königsplatz. Dieser Überblick führt durch die wichtigsten Häuser, ihre Sammlungen und den aktuellen Stand, samt der geschlossenen Neuen Pinakothek.

Ein Museumsviertel auf engem Raum

Das Kunstareal ist Münchens dichtestes Kulturquartier. Rund sechzehn Museen und gut vierzig Galerien liegen hier zwischen Königsplatz, Barer Straße und Universität, fußläufig erreichbar und über die Jahrhunderte gewachsen. Wo andere Städte ihre großen Häuser über das Stadtgebiet verteilen, hat München sie in der Maxvorstadt versammelt.

Den Grundstein legte König Ludwig I. im 19. Jahrhundert. Mit dem Königsplatz nach dem Vorbild der Antike, der Glyptothek und den ersten Pinakotheken wollte er München zum „Isar-Athen“ machen, zu einer Stadt der Kunst und der Bildung. Dieses Erbe prägt das Viertel bis heute: Museen, Akademie, Universitäten und Galerien bilden ein zusammenhängendes Feld, das man an einem einzigen Spaziergang durchqueren kann. Den Königsplatz fasste Leo von Klenze mit Propyläen, Glyptothek und einem klassizistischen Ensemble, das bis heute wie ein Tor in die Antike wirkt.

Die drei Pinakotheken

Im Zentrum stehen die drei Pinakotheken, die zusammen eine fast lückenlose Epochenfolge zeigen. Die Alte Pinakothek an der Barer Straße 27, ein Bau von Leo von Klenze, nach dem Krieg von Hans Döllgast wieder aufgebaut, zeigt europäische Malerei vom 14. bis ins frühe 19. Jahrhundert: Dürer und Altdorfer, Rubens und van Dyck, Rembrandt, Tizian, Leonardo und Raffael. Seit der Schließung der Neuen Pinakothek hängt in ihrem Erdgeschoss zusätzlich eine Auswahl aus dem 19. Jahrhundert. Der Wiederaufbau nach dem Krieg gilt als architektonische Tat für sich: Hans Döllgast schloss die Kriegslücke sichtbar, statt sie zu kaschieren, und machte die Wunde zum Teil der Geschichte des Hauses.

Direkt gegenüber liegt die Neue Pinakothek, 1853 von König Ludwig I. als erstes öffentliches Museum für die Kunst seiner eigenen Zeit in Europa gegründet. Ihr Bestand reicht „von Goya bis van Gogh“, von Klassizismus und Romantik über den Jugendstil bis zu Manet, Monet, Cézanne und van Goghs Sonnenblumen. Das Haus ist allerdings geschlossen, dazu unten mehr.

Die Pinakothek der Moderne an der Barer Straße 40 schließlich vereint vier Sammlungen unter einem Dach: die Sammlung Moderne Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, Die Neue Sammlung als eines der größten Designmuseen der Welt, das Architekturmuseum der TU München und die Staatliche Graphische Sammlung. Sie ist in vollem Betrieb und einer der lebendigsten Orte des Areals. Der Bau von Stephan Braunfels aus dem Jahr 2002 mit seiner lichten Rotunde gilt selbst als architektonisches Wahrzeichen des Viertels.

Brandhorst, Lenbachhaus und die Antike

Gleich neben der Pinakothek der Moderne, an der Theresienstraße 35a Ecke Türkenstraße, steht das Museum Brandhorst mit seiner markanten farbigen Fassade. Es widmet sich der Kunst nach 1945 und besitzt einen der weltweit bedeutendsten Bestände an Werken von Cy Twombly, dazu Andy Warhol und die amerikanische Pop Art. Schon die Fassade aus tausenden farbigen Keramikstäben von Sauerbruch Hutton macht das 2009 eröffnete Haus zum Hingucker. Wenige Schritte entfernt, am Königsplatz, zeigt das Lenbachhaus in der einstigen Künstlervilla Franz von Lenbachs, ergänzt um einen Erweiterungsbau von Norman Foster, die weltweit wichtigste Sammlung des Blauen Reiter, mit Werken von Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, Jawlensky, Macke und Klee.

Der Königsplatz selbst ist der antike Pol des Areals. Die Glyptothek mit ihrer griechischen Tempelfassade beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen antiker Skulptur in Deutschland, vom Barberinischen Faun bis zu den Giebelfiguren von Ägina. Gegenüber zeigen die Staatlichen Antikensammlungen Vasen, Bronzen und Kleinkunst der Mittelmeerkulturen. Nördlich des Platzes erinnert das NS-Dokumentationszentrum am Ort des früheren „Braunen Hauses“ an Münchens Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Königsplatz, im Sommer auch Schauplatz von Konzerten und Open-Air-Veranstaltungen, verbindet diese Häuser zu einem der eindrucksvollsten Plätze der Stadt.

Die Neue Pinakothek: geschlossen, aber präsent

Seit dem 1. Januar 2019 ist die Neue Pinakothek für eine umfassende Generalsanierung geschlossen. Das 1981 von Alexander von Branca errichtete Gebäude war in die Jahre gekommen: undichtes Dach, veraltete Technik, Schadstoffe in den Wänden. Die Arbeiten sind aufwendig, unter anderem wegen der komplexen Dachkonstruktion; die Wiedereröffnung ist nach offizieller Planung für 2030 vorgesehen. Damit gehört die Sanierung zu den großen, langwierigen Kulturbauprojekten der Stadt, und das Viertel lebt vorerst mit einer Lücke an prominenter Stelle, direkt gegenüber der Alten Pinakothek.

Wer die Meisterwerke des 19. Jahrhunderts sehen will, muss deshalb nicht verzichten. Eine Auswahl der Hauptwerke ist im Erdgeschoss der Alten Pinakothek zu sehen, weitere in der Sammlung Schack an der Prinzregentenstraße 9, die ohnehin auf die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts spezialisiert ist. Die berühmten Bilder von van Gogh, Monet oder Manet bleiben damit zugänglich, nur eben verteilt auf andere Häuser des Areals.

Ein Spaziergang durch die Epochen

Das Schöne am Kunstareal ist, dass sich seine Häuser zu einer Erzählung fügen. Wer am Königsplatz beginnt, steht zuerst in der Antike: Skulptur in der Glyptothek, Vasen und Bronzen in den Antikensammlungen. Von dort sind es wenige Minuten zur Alten Pinakothek mit den Alten Meistern, weiter ins 19. Jahrhundert, das derzeit in der Alten Pinakothek und der Sammlung Schack zu Gast ist, und schließlich zur Pinakothek der Moderne und zum Brandhorst mit der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

So lässt sich an einem Nachmittag ein Bogen über mehr als zweitausend Jahre Kunstgeschichte schlagen, ohne ein Verkehrsmittel zu nehmen. Diese Dichte ist nicht nur für Kunstfreunde ein Geschenk, sie macht das Viertel zu einem Ort, an dem Bildung und Anschauung selbstverständlich zum Stadtbild gehören. Genau diese Erfahrbarkeit, die kurzen Wege zwischen den Epochen, unterscheidet München von Metropolen, in denen man für jedes Haus quer durch die Stadt fahren muss.

Mehr als Museen

Das Kunstareal ist kein reines Ausstellungsgelände, sondern ein lebendiges Viertel. Zwischen den großen Häusern liegen rund vierzig Galerien, die Akademie der Bildenden Künste, Buchhandlungen und die Cafés der Maxvorstadt, in denen sich nach dem Museumsbesuch die Gespräche fortsetzen. Auch das Türkentor, ein erhaltenes Stück alter Kasernenarchitektur, gehört dazu, samt der begehbaren Skulptur „Large Red Sphere“ von Walter De Maria.

Diese Mischung macht den Unterschied. Wer hier wohnt, erlebt Kunst nicht als Ausflug, sondern als Teil des Alltags: ein schneller Blick in eine Ausstellung in der Mittagspause, ein Sonntag im Lenbachhaus, ein Espresso zwischen zwei Sälen. Die Nähe zu den Universitäten tut ein Übriges, das Areal ist immer auch ein studentischer, akademischer Ort. Galerien zeigen, was morgen in den Museen hängen könnte, die Akademie bildet die nächste Generation aus, und an warmen Tagen wird der Alte Botanische Garten und die Wiesen am Königsplatz zur Bühne des Viertels. Kultur ist hier kein Wochenendprogramm, sondern Teil des täglichen Wegs.

Kunst vor der Haustür

Für die Maxvorstadt ist diese Konzentration ein Wert, der weit über den Tourismus hinausreicht. Eine Wohnlage im oder am Kunstareal bedeutet, eines der reichsten Kulturquartiere Europas zur Nachbarschaft zu haben, mit allem, was daraus folgt: Ruhe in den Seitenstraßen, Leben rund um die Museen, ein Publikum, das Bildung und Kultur schätzt. Das prägt den Charakter des Viertels ebenso wie seine Beständigkeit. Museen ziehen nicht weg, Sammlungen wachsen über Generationen, und ein Quartier, das auf solchen Institutionen ruht, behält seinen Rang über die Jahrzehnte.

Mitten in diesem Umfeld liegt mit den MAX HÖFE an der Türkenstraße 50 eines unserer Projekte, nur wenige Schritte vom Museum Brandhorst und der Pinakothek der Moderne. Wer dort wohnt, hat die Alten Meister, den Blauen Reiter und die Antike praktisch vor der Tür. Weitere Projekte in ähnlich kulturnahen Lagen, etwa das Haus Königswiese in Altbogenhausen, finden Sie auf unserer Website. Kunst gehört in der Maxvorstadt nicht ins Programm, sondern in den Alltag.

Quellen

  1. Pinakotheken (Bayerische Staatsgemäldesammlungen), Neue Pinakothek
  2. Landeshauptstadt München, Neue Pinakothek (Generalsanierung, Geschichte)
  3. Neue Pinakothek (Wikipedia): Schließung 2019, Wiedereröffnung 2030, Sammlung
  4. München Tourismus, Kunstareal und Pinakotheken im Überblick
  5. Pinakotheken, offizielle Website der drei Pinakotheken
Pierre Legrand

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