Haidhausen im Frühling: Wenn der Wiener Platz erwacht
- Der Wiener Platz im Münchner Stadtteil Haidhausen wurde 1891 nach Wien benannt, weil die Innere Wiener Straße den Beginn der Verbindungsstraße in die österreichische Hauptstadt markierte.
- Der Wiener Markt besteht seit dem 1. November 1889 und ist der kleinste der vier ständigen Münchner Lebensmittelmärkte.
- Die historischen Markthäuschen werden saniert; der Interimsmarkt rund um den Fischerbuberl-Brunnen eröffnet offiziell am 25. April 2026.
Im April hebt sich in Haidhausen ein Vorhang. Der Wiener Platz, eben noch winterstill, füllt sich mit Stimmen, Marktduft und dem ersten Bier unter den Kastanien des Hofbräukellers. Wer hier wohnt, kennt die Stunde, in der das Viertel den Mantel ablegt. Sie kommt nie pünktlich, aber immer.
Der Platz, der zum Dorf wird
Wer zum ersten Mal auf den Wiener Platz tritt, schaut zweimal. Diese Mischung aus Dorf und Stadt gibt es in München kein weiteres Mal. Niedrige Herbergshäuser mit braunen Fensterläden stehen hier, dahinter steigen die Mietshäuser der Gründerzeit auf. In der Mitte ein weiß-blauer Maibaum, gestiftet 2003 von den „Freunden Haidhausens". Daneben plätschert der Fischerbuberl-Brunnen, der einst auf dem Viktualienmarkt stand und 2002 wegen des Schrannenhallen-Neubaus hierher umgezogen ist.
Den Namen verdankt der Platz übrigens nicht den Wienern. Er wurde 1891 nach der Stadt benannt, weil die Innere Wiener Straße den Anfang der Verbindungsstraße in die österreichische Hauptstadt markierte. Heute fährt hier die Tram 17 durch, die U-Bahn-Stationen U4 und U5 liegen am Max-Weber-Platz, 240 Meter weiter.
Was den Wiener Platz vom Viktualienmarkt unterscheidet, ist die Größe. Er bleibt Nachbarschaft. Hunde dösen unter den Marktbänken, Fahrräder lehnen an Pollern, Stammgäste grüßen den Marktverkäufer mit Vornamen. Wer in Haidhausen wohnt, lernt das Wort Schanigarten nicht aus dem Reiseführer, sondern als Routine.
Ein Markt im Umbruch
Den Wiener Markt gibt es seit dem 1. November 1889. Er ist der kleinste der vier ständigen Lebensmittelmärkte der Stadt; Viktualienmarkt im Zentrum, Elisabethmarkt in Schwabing und Pasinger Viktualienmarkt im Westen sind die anderen drei. Aber „klein" ist hier kein Mangel, sondern Programm. Die Stände stehen seit Jahrzehnten dicht an dicht: Fischäusl, Blumenhäusl, der Imbiss Niedermeier mit den vielleicht besten Weißwürsten Münchens, dazu Käse, Wein, Schokolade, Obst und Gemüse.
In diesem Jahr verändert sich etwas: Die historischen Markthäuschen müssen saniert werden, weil neue Hygiene- und Brandschutzvorschriften das verlangen. Die Stadt München hat einen Interimsmarkt aufgebaut, der sich um den Fischerbuberl-Brunnen herum gruppiert. Am 25. April 2026 eröffnet er offiziell. Wer den Platz im April besucht, sieht beides: den Übergang aus der alten Form und den Aufbruch in eine neue.
Bemerkenswert ist, dass die Häuschen überhaupt erhalten bleiben. Anfangs hatte die Stadt geplant, sie abzureißen und durch standardisierte Pavillons zu ersetzen. Die Anwohner wehrten sich, organisierten Eingaben, sammelten Unterschriften. Sie bekamen Recht. Eine Sanierung statt Abriss ist in München keine Selbstverständlichkeit, im Fall Haidhausens war es eine Frage der Identität.
Hofbräukeller: Wenn die Kastanien Schatten werfen
Am westlichen Rand des Platzes steht das Gebäude des Hofbräukellers. Errichtet 1892, beherbergte es bis 1988 die Hofbräu-Brauerei. Die Produktion zog dann nach Riem. Geblieben sind die Gaststätte und einer der schönsten Biergärten der Stadt. Etwa 1.400 Sitzplätze stehen im Selbstbedienungsbereich, weitere 400 in der bedienten Zone. Geschützt von alten Kastanien, deren Blätterdach selbst im Hochsommer Schatten spendet.
Im April geht das Eis auf der Almhütte zurück, die Eisstockbahnen verschwinden, die Tische und Stühle des Biergartens werden aus dem Winterquartier geholt. Der erste warme Sonntag verwandelt das Areal in eine bayerische Lichtung. Die Sandbar am Eingang öffnet die Liegestühle. Wer früh kommt, sitzt unter dem Baum seiner Wahl. Wer spät kommt, lernt das Wort Maßstellplatz auf eine neue Weise kennen.
Historisch heikel ist der Saal im ersten Stock. Dort hielt Adolf Hitler 1919 eine seiner ersten politischen Reden. Der Hofbräukeller geht damit nüchtern um, eine Hinweistafel weist auf das Ereignis hin. Heute ist das Haus vor allem das, was es immer war: eine Wirtschaft, in die Bayerische Landtagsabgeordnete und Haidhauser Familien gleichermaßen gehen, weil das Bier gut und der Schnitzel angemessen ist.
Die Stunden zwischen den Stunden
Der Wiener Platz ist nur der Anker. Das Leben Haidhausens spielt in den Straßen drumherum. In der Wörthstraße zwischen Voilà und Lollo Rosso reihen sich von März bis Oktober die Schanigärten. Das Kosys und das Café Lotti zwischen Pariser und Bordeauxstraße bilden, was Haidhauser ihren Schanigarten-Ring nennen. Direkt am Platz versammeln sich der Little Rabbit's Room, die Domaines Kilger Weinhäusl und das Café Wiener Platz, das von acht Uhr morgens bis spät in die Nacht durchgehend bedient.
Eine Straße weiter nördlich liegt die Preysingstraße. Sie zählt zu den schönsten Straßen Münchens und ist das, was vom alten Haidhausen am sichtbarsten geblieben ist. Erhaltene Herbergshäuser aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, ein knappes Pflaster, das im Frühling von Geranien und Magnolien gerahmt wird. Wer in dieser Gegend wohnt, wechselt das Viertel selten freiwillig.
Wohnen am Puls eines Dorfs in der Stadt
Was den Wiener Platz zum Wohnort macht, lässt sich nicht in Quadratmetern messen. Es ist die Mischung aus Erreichbarkeit und Stille, aus Markttreiben am Vormittag und Nachbarschaftstreiben am Abend. Wer hier eine Adresse hat, kauft seinen Spargel zu Fuß, holt das Brot beim Bäcker, dem er den Vornamen kennt, und ist trotzdem in zwölf Minuten am Marienplatz.
Genau für diese Schnittstelle entstehen neue Wohnadressen, die Haidhausens Charakter weiterführen, ohne ihn zu kopieren. Der Johannisplatz etwa, ein Projekt mit zwölf Wohnungen zwischen 31 und 172 Quadratmetern, liegt nur 180 Meter vom Wiener Platz entfernt. Architektonisch greift das Haus die Bossenwerk-Tradition der Nachbarschaft auf, ohne sie nachzuahmen, und blickt mit großen Dachterrassen über das Viertel. Wer hier wohnt, hört im April morgens als Erstes den Markt aufbauen.
Häufig gestellte Fragen
Wann öffnet der Hofbräukeller-Biergarten im Frühling?
Der Biergarten ist täglich von 10 bis 23 Uhr geöffnet, das letzte Bier wird um 22:30 Uhr ausgeschenkt. Bei warmen Temperaturen werden die Außenflächen ab März und April voll bewirtet. Bei schlechtem Wetter bleiben die Plätze in der Gaststätte und auf der Terrasse weiterhin verfügbar.
Was bedeutet der Interimsmarkt am Wiener Platz?
Die historischen Markthäuschen werden saniert, weil neue Hygiene- und Brandschutzvorschriften das verlangen. Während der Bauphase betreibt die Stadt München einen temporären Markt, der sich um den Fischerbuberl-Brunnen gruppiert. Die offizielle Eröffnung ist für den 25. April 2026 angesetzt.
Wie erreicht man den Wiener Platz mit den Öffentlichen?
Die Tramlinie 17 hält direkt am Wiener Platz. Die U-Bahn-Linien U4 und U5 erreichen den Max-Weber-Platz, von dort sind es etwa 240 Meter zu Fuß über die Innere Wiener Straße. Mit dem Fahrrad ist man vom Marienplatz aus in zehn Minuten am Platz.
Was unterscheidet Haidhausen von Schwabing?
Schwabing hat den Mythos, Haidhausen die Atmosphäre. Während Schwabing seit den 1960er Jahren als Bohème-Bezirk bekannt ist, hat Haidhausen seinen Charakter als ehemaliges Arbeiterviertel länger bewahrt. Das Tempo ist niedriger, die Plätze sind kleiner, das soziale Gefüge ist enger.
Was bleibt, wenn der Platz wieder still wird
Im April öffnet sich Haidhausen. Aber das Viertel hat einen Vorteil, den andere Premium-Lagen Münchens nicht haben: Es zeigt seinen Charakter nicht erst, wenn die Sonne scheint. Wer ihn an einem Februartag im Café Wiener Platz oder unter der Markise des Voilà sucht, findet ihn auch dort.
Was den Wiener Platz so besonders macht, ist nicht die einzelne Saison. Es ist das Wissen, dass das Frühjahr hier zuverlässig kommt, dass der Maibaum jedes Jahr aufgestellt wird, dass die Marktstände auch nach der Sanierung weitertragen, was 1889 begonnen hat. In einer Stadt, die sich schnell verändert, ist das vielleicht das größte Geschenk dieses Platzes.
Quellen
[1] Markt am Wiener Platz, Stadt München — https://maerkte-muenchen.de/unsere-maerkte/markt-am-wiener-platz.html
[2] Wiener Platz Haidhausen, muenchen.travel — https://www.muenchen.travel/pois/stadt-viertel/wiener-platz
[3] Hofbräukeller München, offizielle Website — https://www.hofbraeukeller.de/
[4] Wiener Platz, München Wiki — https://www.muenchenwiki.de/wiki/Wiener_Platz
[5] Wiener Markt, München Wiki — https://www.muenchenwiki.de/wiki/Wiener_Markt
[6] Hofbräukeller, Wikipedia — https://de.wikipedia.org/wiki/Hofbr%C3%A4ukeller
[7] Wiener Platz und Wiener Markt, muenchen.de — https://www.muenchen.de/sehenswuerdigkeiten/wiener-platz-haidhausen
Was Sie auch interessieren könnte
Haidhausen abseits der Touristenwege
Die meisten kennen Haidhausen von seinen Lokalen und vom Wiener Platz. Doch ein paar Straßen weiter beginnt ein stilleres Viertel: alte Herbergshäuschen, in denen einst Tagelöhner wohnten, das Franzosenviertel mit seinen Gründerzeitfassaden und ruhige Höfe, die kaum ein Tourist findet. Dieser Spaziergang führt durch das unbekanntere Haidhausen.
Premium-Kindergärten und Krippen in Bogenhausen: Betreuung mit Anspruch
In Altbogenhausen und im Herzogpark endet die Suche nach Betreuung selten an der nächsten Ecke, sondern bei der Frage nach dem richtigen Konzept. Das Viertel hat mehrere bilinguale Premium-Kitas, lange Öffnungszeiten und kurze Wege. Dieser Überblick zeigt die Häuser, die Anmeldung über den Kita-Finder und die Zuschüsse, die Familien entlasten.
Weiterlesen … Premium-Kindergärten und Krippen in Bogenhausen: Betreuung mit Anspruch
Cafés in der Maxvorstadt: Das Wohnzimmer des Uni-Viertels
Die Maxvorstadt ist Münchens Universitäts- und Kunstviertel, und sie trinkt Kaffee wie kaum ein anderes. Zwischen Türken-, Schelling- und Brienner Straße liegt eine der dichtesten Café-Landschaften der Stadt, vom altehrwürdigen Kaffeehaus über das vegetarische Traditionscafé bis zum Studierenden-Treff. Dieser Überblick führt durch die schönsten Adressen.
Weiterlesen … Cafés in der Maxvorstadt: Das Wohnzimmer des Uni-Viertels
