Herzogpark: Münchens diskretestes Villenviertel erwacht

  • Der Herzogpark in Bogenhausen ist nach Herzog Max in Bayern (1808 bis 1888) benannt, dem Vater der späteren Kaiserin Elisabeth („Sisi"). Sein Sohn Karl Theodor verkaufte das Areal 1900 an die Terrain-Aktiengesellschaft Bogenhausen-Gern, die dort ab 1904 ein Villenviertel errichtete.
  • Thomas Mann wohnte von 1914 bis 1933 in der Poschingerstraße 1 (heute Thomas-Mann-Allee 10) und beschrieb den Herzogpark in seiner Erzählung „Herr und Hund" (1918) als „Zaubergarten, nicht mehr und nicht weniger".
  • Zu den frühen Bewohnern zählten Bruno Walter, Bruno Frank, Leopold Stokowski und der Akademie-Professor Ludwig Ritter von Zumbusch. Heute beherbergt der Herzogpark unter anderem das ifo Institut, das hier seit 1952 seinen Sitz hat.

Der Herzogpark gehört zu den wenigen Münchner Vierteln, die ihre Adresse nicht ausstellen. Wer durch die Mauerkircherstraße läuft, hört eher den Wind in den Linden als ein Gespräch. Im Frühjahr ändert sich daran wenig. Die Stille bleibt. Sie wird nur durch Krokusse, Magnolien und das Schnurren der Katzen erweitert.

Wo der Name herkommt

Der Herzogpark verdankt seinen Namen dem Herzog Max in Bayern, einem volkstümlichen Wittelsbacher und Vater der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich, die als „Sisi" in die Geschichte einging. Das weitläufige Areal am rechten Isarufer war ursprünglich Jagdgrund. Als sein Sohn Karl Theodor das knapp 390 Tagwerk große Gelände im Jahr 1900 an eine Baugesellschaft verkaufte, war es noch wilde, in Teilen sumpfige Natur.

Die Käuferin, die Terrain-Aktiengesellschaft Bogenhausen-Gern, begann 1904 mit der Erschließung. Hauptachse wurde die Mauerkircherstraße, parallel dazu die Pienzenauerstraße. Eine Verbindung in die Stadt schuf 1907 die Trambahnlinie 30, die heute als Linie 18 fährt. Der Werbeslogan jener Jahre brachte den Anspruch auf den Punkt: „Vornehmste Villenlage, 2 km vom Stadtzentrum." Was zunächst noch ohne Kanalisation auskommen musste, wurde im Verlauf der 1910er Jahre städtebaulich vollständig integriert.

Der Zaubergarten

Wer den Herzogpark verstehen will, muss bei Thomas Mann anfangen. Der spätere Nobelpreisträger zog 1910 mit seiner Familie zunächst in die Mauerkircherstraße 13. Hier entstand 1912 die Novelle „Der Tod in Venedig". Als die Familie wuchs, kaufte Mann das Grundstück Poschingerstraße 1, beauftragte die Münchner Architektenbrüder Alois und Gustav Ludwig mit dem Entwurf einer Villa und bezog das Haus im Januar 1914. Die Kinder tauften es liebevoll „Poschi". Hier entstanden „Betrachtungen eines Unpolitischen" (1918), „Der Zauberberg" (1924) und „Mario und der Zauberer" (1930).

Thomas Mann war ein leidenschaftlicher Spaziergänger. Mit seinem Hund Bauschan, später literarisch verewigt in der Erzählung „Herr und Hund", lief er fast täglich über die damals noch unbebaute Landschaft bis nach Unterföhring. In dieser Erzählung steht der Satz, der den Herzogpark bis heute prägt: „Das ist kein Wald und kein Park, das ist ein Zaubergarten, nicht mehr und nicht weniger." Sein Stammlokal lag in der Mauerkircherstraße 40, die „Restauration Herzogparkquelle". Hier traf er sich mit Erich Kästner. Heute befinden sich an der Stelle Geschäftsräume.

Die Familie Mann ging 1933 nach Hitlers Machtergreifung ins Exil. Die Villa wurde enteignet, im Zweiten Weltkrieg durch Bomben schwer beschädigt und 1952 abgerissen. Erst 2002 bis 2005 entstand am gleichen Ort ein Nachbau der historischen Architektur. Heute trägt die Straße den Namen Thomas-Mann-Allee, und am Ort der Villa erinnert eine Gedenktafel an den Bewohner. Das Haus selbst ist privat.

Die Nachbarn von damals

Der Herzogpark zog von Anfang an Bewohner an, die ihre Adresse nicht über sie sprechen lassen mussten. Schon vor dem Ersten Weltkrieg lebten in den Villen rund um die Mauerkircherstraße Wissenschaftler, Künstler und Bankiers. Der Lyriker und Verleger Alfred von Heymel zog 1909 in die Poschingerstraße 5. Der Bankier und Bibliophile Otto Deutsch-Zeltmann, Mitglied der Maximiliansgesellschaft, fand hier sein Zuhause. Der Akademie-Professor Ludwig Ritter von Zumbusch, bekannt für seine Kinderporträts, bezog 1910 eine von Otto Riemerschmid entworfene Villa in der Schönbergstraße 9.

In den 1920er und 1930er Jahren erlebte das Viertel seinen Höhepunkt. Der Dirigent Bruno Walter wohnte hier, ebenso sein Kollege Leopold Stokowski. Der Schriftsteller Bruno Frank gehörte zur Nachbarschaft, das Schauspielerpaar Herta von Hagen und Gustl Waldau wohnte ebenfalls hier. Der Ökonom Adolf Weber, der die deutsche Wirtschaftspolitik nach dem Krieg mitprägte, traf sich in seinem Haus mit der „Wirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Bayern", aus der später das ifo Institut hervorging. Das Institut bezog 1952 seine ersten Räume im Herzogpark und sitzt bis heute dort.

Die Stille hat einen Grund

Architektonisch ist der Herzogpark kein homogenes Viertel. Wer heute durch die Mauerkircherstraße oder die Pienzenauerstraße läuft, sieht Gründerzeitvillen mit Jugendstilfassaden direkt neben brutalistischen Beton-Solitären, dazwischen Bauten der 1950er und 60er Jahre und vereinzelt sehr zurückhaltende Neubauten. Was diese unterschiedlichen Häuser eint, ist nicht der Stil, sondern die Distanz zur Straße. Hohe Hecken, breite Vorgärten, alte Bäume.

Diese städtebauliche Disziplin hat einen praktischen Effekt. Der Verkehr im Herzogpark ist ruhig, weil das Viertel keine Durchgangsfunktion erfüllt. Wer durch den Herzogpark fährt, hat in der Regel hier ein Ziel. Hinzu kommt der Brunnbach, der das Viertel von Norden her durchquert und bei der Straße „Am Mühlbach" einen schmalen Grünzug bildet. Ein paar Schritte weiter beginnt das Hochufer der Isar mit einem der schönsten Spaziergangsabschnitte der Stadt.

Wenn die Linden austreiben

Im April beginnt der Herzogpark zu blühen, ohne dass jemand davon Aufhebens machen würde. Magnolien öffnen sich vor den Vorgärten, in den Innenhöfen blühen die ersten Tulpen, an den Lindenalleen treiben die Knospen. Wer früh aufsteht, sieht die Hundebesitzer der ersten Runde, mit Mantel über den Schultern, in einer Achtsamkeit, die mit der Generation der Bewohner zu tun hat. Die akustische Konstante des Viertels ist das Grundgeräusch der Isar; eine ferne, fließende Linie, die jeden Tag da ist.

Gastronomisch bleibt der Herzogpark bewusst zurückhaltend. Das Le Faubourg am Johannisplatz, eine seit 1997 bestehende Adresse für die südfranzösische Küche, gehört zu den wenigen Orten, an denen sich das Viertel sichtbar trifft. Sonst spielt sich das Leben hinter den Gartenmauern ab. Im April beginnen die Privatgärten zu öffnen; nicht für die Öffentlichkeit, aber für die eigenen Familien.

Was Wertstabilität wirklich bedeutet

Was den Herzogpark zu einer der gefragtesten Adressen Münchens macht, lässt sich nicht in einer einzigen Kennzahl ausdrücken. Es ist die Kombination aus historischer Identität, akustischer Ruhe, kontrollierter Bebauung und Mikrolage. Eine Adresse mit direktem Zugang zum Hochufer der Isar gilt selbst innerhalb des Herzogparks als herausragend. Solche Lagen sind selten; Verkäufe in der Größenordnung der ersten Reihe sind über Jahrzehnte hinweg selten geworden.

Die wenigen Neubauten, die hier entstehen, werden mit besonderer Sorgfalt platziert. Die Thomas-Mann-Allee etwa, ein Ensemble von zwölf Wohnungen zwischen 43 und 465 Quadratmetern, liegt in erster Reihe zur Isar und ist über die Architektur von Landau + Kindelbacher als Fortsetzung der Viertelhandschrift entworfen. Privatgärten, Balkone, Loggien und Dachterrassen orientieren sich nach Westen zu den Maximiliansanlagen. Thomas Mann selbst wohnte zwei Gehminuten entfernt. Die Adresse ist kein Zufall.

Häufig gestellte Fragen

Warum heißt der Herzogpark Herzogpark?

Das Areal gehörte ursprünglich Herzog Max in Bayern (1808 bis 1888), einem volkstümlichen Wittelsbacher und Vater der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich. Sein Sohn Karl Theodor verkaufte das Gelände 1900 an die Terrain-Aktiengesellschaft Bogenhausen-Gern, die dort ab 1904 ein Villenviertel errichtete. Der Name blieb erhalten.

Wer waren die berühmtesten Bewohner des Herzogparks?

Zu den Bewohnern der ersten Generation zählten Thomas Mann, der Dirigent Bruno Walter, der Schriftsteller Bruno Frank, der Dirigent Leopold Stokowski, der Akademie-Professor Ludwig Ritter von Zumbusch und der Bankier Otto Deutsch-Zeltmann. Auch Erich Kästner verkehrte hier regelmäßig. In späteren Jahrzehnten zog das Viertel weitere Wissenschaftler, Künstler und Unternehmer an.

Wo lebte Thomas Mann im Herzogpark?

Thomas Mann wohnte von 1910 bis 1914 in der Mauerkircherstraße 13, anschließend bis zu seiner Emigration 1933 in der Poschingerstraße 1, der heutigen Thomas-Mann-Allee 10. Die Villa wurde nach Enteignung und Kriegsschäden 1952 abgerissen und 2002 bis 2005 als Nachbau errichtet. Sie ist heute privat.

Wann begann die Bebauung des Herzogparks?

Die Erschließung begann 1904 mit der Errichtung der Mauerkircherstraße durch die Terrain-Aktiengesellschaft Bogenhausen-Gern. 1907 wurde die Trambahnlinie 30 (heute Linie 18) bis zur Montgelasstraße verlängert und schloss das Viertel an die Stadtmitte an. Die ersten Villen entstanden in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg.

Was die Stille hier wert ist

Der Herzogpark ist nicht das Viertel, in dem ein Frühling beginnt. Er ist das Viertel, in dem ein Frühling stattfindet, ohne dass jemand ihn ausruft. Wer hier wohnt, geht morgens zum Bäcker an der Mauerkircherstraße, abends auf den Hochuferweg, dazwischen liegt eine Lebensform, die in München selten geworden ist.

Was diese Adresse seit über hundert Jahren stabil hält, ist nicht die Anzahl der Quadratmeter und nicht die Höhe der Hecken. Es ist eine Übereinkunft zwischen Bewohnern, dass das Viertel das, was es ist, bleiben soll. Der Zaubergarten, den Thomas Mann beschrieb, war keine Übertreibung. Er war eine Beobachtung. Und sie gilt im April 2026 noch genauso wie 1918.

Quellen

[1] Herzogpark, München Wiki — https://www.muenchenwiki.de/wiki/Herzogpark

[2] Thomas-Mann-Villa, Wikipedia — https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas-Mann-Villa_(M%C3%BCnchen)

[3] Mauerkircherstraße, NordOstKultur München — https://nordostkultur-muenchen.de/architektur/strassen-und-wege-im-muenchner-nordosten/mauerkircherstrasse/

[4] Der Herzogpark, ifo Institut — https://celebrate.ifo.de/en/node/11

[5] Villen in Bogenhausen, muenchen.travel — https://www.muenchen.travel/artikel/stadt-viertel/rundgang-bogenhausen

[6] Bogenhausen, Wikipedia — https://de.wikipedia.org/wiki/Bogenhausen

[7] Die Villa an der Thomas-Mann-Allee, MunichArtToGo — https://municharttogo.zikg.eu/items/show/277

Mona Wiesek

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