Maximiliansanlagen: Münchens schönste Flaniermeile. Und warum sie Immobilien adelt

  • Die Maximiliansanlagen erstrecken sich auf rund 30 Hektar zwischen Ludwigsbrücke und Max-Joseph-Brücke und wurden zwischen 1856 und 1866 unter Carl von Effner nach einem Generalplan von Peter Joseph Lenné angelegt.
  • Der Friedensengel auf der Prinzregent-Luitpold-Terrasse wurde 1896 bis 1899 errichtet, ist mit Säule und Engel 38 Meter hoch und gilt als Wahrzeichen am Übergang zwischen Bogenhausen und Haidhausen.
  • Die östliche Begrenzung der Anlagen bildet die Maria-Theresia-Straße, an deren nördlicher Verlängerung einige der knappsten und wertstabilsten Wohnadressen Münchens liegen.

Es gibt einen Punkt in München, an dem alle Linien zusammenlaufen: die Prinzregentenstraße als Sichtachse, der goldene Friedensengel als Wahrzeichen, die Isar als rauschende Begleitung. Wer hier flaniert, geht durch dreißig Hektar gestalteter Landschaft, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Aushängeschild Münchner Toplagen gehört.

Wie aus einer Schafweide ein Park wurde

Vor 170 Jahren war das, was wir heute Maximiliansanlagen nennen, eine Schafweide. Der steile rechte Isarhang oberhalb der Au lag brach, das Gelände war zerfurcht und stark erodiert. König Maximilian II. hatte schon als Kronprinz davon geträumt, diesen Hang in die Stadt einzubeziehen. 1832 notierte er in sein Tagebuch, er wolle auf der Isarhöhe einen großen Park anlegen, vielleicht sogar einen ganz neuen Stadtteil.

1856 war es so weit. Auf Veranlassung des Königs erarbeitete der preußische Hofgärtendirektor Peter Joseph Lenné, einer der bedeutendsten Gartenarchitekten des 19. Jahrhunderts, einen Generalplan zur „gärtnerischen Verschönerung" Münchens. Die Detailplanung übernahm ab 1856 Carl von Effner, ein Schüler Lennés, der später unter König Ludwig II. die Schlossanlagen von Linderhof und Herrenchiemsee gestalten sollte.

Effner modellierte das zerfurchte Gelände zu einer sanften Hügellandschaft mit geschwungenen Wegen, Gehölzgruppen und lichten Wiesenflächen. Bis 1861 war der Park nördlich des Maximilianeums fertig, bis 1866 folgten die Gasteig-Anlagen südlich davon. Erst seit 1897 trägt der Park offiziell den Namen Maximiliansanlagen.

Um 1890 erweiterte Hofgärtendirektor Jakob Möhl die Anlage um die Luitpoldterrassen. Damit war die heutige Form weitgehend erreicht. 1894 kam am Fuß des Steilhangs noch eine Parkerweiterung hinzu. Das Gelände öffnete sich zur Isar, ohne sich von ihr abschotten zu lassen.

Was den Park heute ausmacht

Auf rund 30 Hektar zieht sich der Park heute zwei Kilometer weit am rechten Isarufer entlang. Die nördliche Grenze bildet die Max-Joseph-Brücke in Bogenhausen, die südliche die Ludwigsbrücke am Deutschen Museum. Im Osten begrenzt zum großen Teil die Maria-Theresia-Straße den Park. Im Westen fällt der Hang zur Isar ab.

Drei Elemente prägen die Anlage: die geschwungenen Hangwege, die offenen Wiesenterrassen, die alten Baumgruppen aus Kastanie, Buche, Linde und Ahorn. Effner pflanzte sie so, dass sich vom Park immer wieder Blickachsen auf die Altstadtsilhouette öffnen. Wer auf der Höhe spaziert, sieht zwischen den Stämmen hindurch die Türme der Frauenkirche, die Kuppel der Theatinerkirche, das Maximilianeum. Im Westen geht der Blick über die Isar in die Stadt hinein, im Osten reicht er bis zu den Villenfassaden der Maria-Theresia-Straße.

Im Park selbst gibt es einige Punkte, die jeder Münchner kennt. Den künstlich angelegten Achtersee nördlich des Friedensengels, der seinen Namen seiner Form verdankt. Das Denkmal für König Ludwig II. von 1967, das eine Bürgerbewegung gestiftet hatte. Es steht nahe der Stelle, an der Gottfried Semper im Auftrag des Königs ein Festspielhaus für Richard Wagner errichten wollte, das nie gebaut wurde. Die Streetart-Galerie in der Fußgängerunterführung unter der Prinzregentenstraße, die 2011 unter Leitung des Münchner Urban-Art-Pioniers Loomit entstand. Und im März, jedes Jahr aufs Neue, die Blüte der Sternhyazinthen, ein Schauspiel, das Insider in den Park lockt, lange bevor die Bäume austreiben.

Der Friedensengel: 38 Meter über München

Wer „Maximiliansanlagen" sagt, meint meist zuerst den Friedensengel. Er steht auf der Prinzregent-Luitpold-Terrasse, am höchsten Punkt des Parks, in der Sichtachse der Prinzregentenstraße. Mit der vergoldeten Nike-Figur an der Spitze, der 23 Meter hohen Korinthersäule und dem antikisierenden Tempelsockel misst das Denkmal 38 Meter. Eingeweiht wurde es am 16. Juli 1899, gestaltet von den Bildhauern Heinrich Düll, Georg Pezold und Max Heilmaier.

Anlass war ein Jubiläum: 25 Jahre Frieden nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Die Stadt München stiftete das Denkmal dem bayerischen Herrscherhaus. Anders als das Berliner Pendant am Großen Stern, das den militärischen Triumph feiert, mahnt der Münchner Friedensengel zum Frieden. Im Inneren der Tempelhalle erinnern vier Goldmosaiken an „Krieg und Frieden" und „Sieg und Segen", flankiert von steinernen Porträts deutscher Kaiser, Kanzler und Generäle.

Heute ist der Friedensengel viel mehr als ein historisches Denkmal. Er ist ein Treffpunkt, ein Aussichtsbalkon, ein Sonnenuntergangsmotiv. Wer auf der Terrasse steht, blickt entlang der Prinzregentenstraße bis zum Prinz-Carl-Palais am Hofgarten. Im Mai, wenn die Sonne tief steht und die Stadt im Süden golden erglüht, drängen sich am Geländer die Fotografen. Wer in der Nähe wohnt, hat dieses Bild zu Hause.

Warum diese Lage Immobilien adelt

Es gibt in München mehrere Parks, an die man wohnen kann. Den Englischen Garten. Den Hofgarten. Den Nymphenburger Park. Die Maximiliansanlagen unterscheiden sich von ihnen in einem Punkt: Sie sind kleiner und intimer, dafür aber direkt mit einer der teuersten Wohnlagen der Stadt verzahnt. Wer auf der Höhe von Bogenhausen wohnt, hat die Anlagen nicht in der Nähe. Er hat sie vor der Haustür.

Diese Verzahnung erklärt einen Teil der außergewöhnlichen Preisstabilität in Altbogenhausen und im Herzogpark. Eine Wohnung, die in zwei Minuten zu Fuß einen 30-Hektar-Park erreicht, kein Stück gewöhnlichen Park, sondern einen mit Denkmalrang, ist in München eine seltene Konstellation. Sie kommt im Westen der Stadt kaum vor, im Norden gar nicht, im Süden nur stark eingeschränkt. Im Osten gibt es sie genau hier.

Hinzu kommt: Die Maximiliansanlagen können nicht überbaut werden. Sie stehen unter Denkmalschutz, werden von der Bayerischen Schlösserverwaltung gepflegt und sind in einem Zustand, den selten ein deutscher Park bewahren konnte. Wer hier eine Wohnung kauft, weiß: Diese Lage bleibt. Sie wird sich nicht verändern, nicht verdichten, nicht verkehrsmäßig erschlossen werden. Der Park ist ein Versprechen auf hundertfünfzig Jahre Stillstand im besten Sinne.

Die direkten Parkkanten sind entsprechend eng besetzt. An der Maria-Theresia-Straße im Westen, an der Maximiliansallee im Norden, am Europaplatz unterhalb des Friedensengels: Hier finden sich die Adressen, die in München als die diskreteste Spitze gelten. Wer hier wohnt, hat einen Vorgarten und dahinter, durch eine schmale Straße getrennt, einen königlichen Park.

Wo der Park im Mai am schönsten ist

Drei Punkte lohnen im Mai besonders. Der erste ist die Luitpoldterrasse am Friedensengel selbst. Hier blühen die Kastanien, die ältesten Bestände des Parks. Wenn der Wind durch die Krone geht, fällt das letzte Blütenpapier auf die Geländer und den Boden. Vom Geländer aus reicht der Blick weit nach Westen.

Der zweite Punkt ist der Achtersee nördlich des Friedensengels. Im Mai stehen die Schwertlilien am Ufer, Wasservögel ziehen Bahnen, manchmal sind Mandarinenten zu sehen. Der See ist klein genug, dass man ihn in zehn Minuten umrunden kann, und doch groß genug für ein Picknick am Ufer.

Der dritte Punkt ist die nördliche Maximiliansallee, die als Wegachse durch die Anlagen zwischen den oberen Wiesenflächen und dem Steilhang verläuft. Im Mai stehen hier die Magnolien in voller Blüte, dahinter die alten Buchen, die ihr erstes vollausgebildetes Laub geöffnet haben. Wer von hier aus östlich abbiegt, kommt an den ersten Villen vorbei. Wer westlich abbiegt, steigt in den Hang hinab zur Isar.

Und es gibt einen vierten Punkt, der nur in den ersten Maitagen lohnt: Vom Friedensengel aus zur Max-Joseph-Brücke gehen, dort die Isar überqueren, in den Englischen Garten hinein, und über den Chinesischen Turm zurück. Eine Stunde, die in München kaum zu übertreffen ist.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat die Maximiliansanlagen gestaltet?

Den Generalplan erarbeitete Peter Joseph Lenné, einer der bedeutendsten Gartenarchitekten des 19. Jahrhunderts. Die Detailplanung und Ausführung lag ab 1856 bei Carl von Effner, einem Schüler Lennés. Effner gestaltete später auch die königlichen Schlossanlagen von Linderhof und Herrenchiemsee. Die Erweiterungen um 1890 (Luitpoldterrassen) stammen von Hofgärtendirektor Jakob Möhl.

Wann wurde der Friedensengel errichtet?

Zwischen 1896 und 1899. Eingeweiht wurde das 38 Meter hohe Denkmal am 16. Juli 1899 zur Erinnerung an 25 Jahre Frieden nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Bildhauer waren Heinrich Düll, Georg Pezold und Max Heilmaier.

Wem gehören die Maximiliansanlagen und wer pflegt sie?

Die Anlagen sind in öffentlichem Eigentum und werden von der Bayerischen Schlösserverwaltung gepflegt, derselben Institution, die auch den Englischen Garten verwaltet.

Welche Wohnlagen profitieren direkt von der Parkkante?

Vor allem die Maria-Theresia-Straße im Westen der Anlagen, das Umfeld am Europaplatz unterhalb des Friedensengels und die nördliche Maximiliansallee Richtung Max-Joseph-Brücke. Diese Adressen gelten in München als knapp verfügbare und außergewöhnlich wertstabile Lagen.

Ein Park, der seine Adresse mitformt

Die Maximiliansanlagen sind kein Park, an den man wohnt. Sie sind ein Park, der einer Adresse mitgegeben wird. Wer in Altbogenhausen oder im Herzogpark ein Anwesen findet, das die Anlagen in Sicht- oder Gehweite hat, hat mehr als eine Aussicht. Er hat einen Wertfaktor, der sich seit 170 Jahren nicht verbraucht. Im Mai, wenn der Park sein wahres Gesicht zeigt, versteht man, warum diese Adressen so selten den Eigentümer wechseln.

Quellen

  1. Maximiliansanlagen - Wikipedia
  2. Maximiliansanlagen München - Bayerische Schlösserverwaltung
  3. Maximiliansanlagen mit Friedensengel - BayernPortal
  4. Friedensengel - stadtgeschichte-muenchen.de
  5. Maximiliansanlagen - bei-uns-in-muenchen.de
  6. Maximiliansanlagen - muenchen.de

 

Alexander Prechtl

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