Münchens Konzert-Spielstätten: von der Isarphilharmonie bis zum Prinzregententheater

  • Der Gasteig in Haidhausen wird generalsaniert; die Münchner Philharmoniker spielen seit Oktober 2021 in der Isarphilharmonie im Gasteig HP8 in Sendling, einem Konzertsaal mit rund 1.900 Plätzen.
  • Weitere große Säle sind der Herkulessaal in der Residenz und das Prinzregententheater am Prinzregentenplatz in Bogenhausen, das 1901 eröffnet wurde.
  • Die Gasteig-Sanierung dürfte mindestens bis in die frühen 2030er Jahre dauern; das lange geplante Konzerthaus im Werksviertel ist derzeit nicht im Bau.

Münchens klassische Musik hat derzeit kein einzelnes Zentrum, sondern mehrere. Während der Gasteig in Haidhausen saniert wird, spielen die Philharmoniker in der gefeierten Isarphilharmonie in Sendling, daneben behaupten sich der Herkulessaal und das Prinzregententheater. Dieser Überblick führt durch die wichtigsten Spielstätten und ihren aktuellen Stand.

Eine Stadt, viele Säle

München ist eine Musikstadt mit gleich mehreren Spitzenorchestern: den Münchner Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Bayerischen Staatsorchester. Sie alle brauchen Säle, und so verfügt die Stadt über eine dichte Landschaft an Konzertspielstätten, vom großen Mehrzweckhaus bis zum intimen Jugendstilsaal.

Diese Landschaft ist derzeit in Bewegung. Mit der Sanierung des Gasteig, des langjährigen Stammhauses der Philharmoniker, hat sich der Schwerpunkt verschoben. Wer heute in München ein klassisches Konzert besucht, landet je nach Programm in Sendling, in der Residenz oder in Bogenhausen, an drei sehr unterschiedlichen Orten. Dass eine Stadt diesen Wandel ohne Bruch im Programm bewältigt, sagt einiges über die Tiefe ihres Musiklebens.

München als Musikstadt

Hinter dieser Saalvielfalt steht eine lange Tradition. München unterhält mit den Münchner Philharmonikern und dem Bayerischen Staatsorchester gleich zwei der ältesten und renommiertesten Klangkörper Deutschlands, dazu kommt das in der Stadt beheimatete Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das international zur Spitze zählt. Drei Orchester dieses Rangs an einem Ort sind selbst im internationalen Vergleich ungewöhnlich.

Dieses Angebot prägt das kulturelle Leben das ganze Jahr über, von den Abonnementkonzerten der Orchester bis zu den Münchner Opernfestspielen im Sommer. Ein Publikum, das Musik auf diesem Niveau gewohnt ist, hält die Häuser lebendig und die Nachfrage nach guten Plätzen hoch. Hinzu kommen Gastspiele der weltbesten Orchester und Solisten, die München fest auf ihrer Tournee haben. Die Spielstätten sind damit nicht nur Architektur, sondern Teil eines funktionierenden Musiklebens.

Der Gasteig und sein Umzug: die Isarphilharmonie

Der Gasteig an der Rosenheimer Straße 5 in Haidhausen, 1985 eröffnet, war über Jahrzehnte das wichtigste Kulturzentrum der Stadt und eines der größten Europas, mit rund 1.800 Veranstaltungen im Jahr. Unter seinem Dach lagen die Philharmonie als Heimat der Münchner Philharmoniker, weitere Säle, die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und die Hochschule für Musik und Theater. Inzwischen ist der Bau für eine umfassende Generalsanierung geschlossen, die voraussichtlich mindestens bis in die frühen 2030er Jahre dauern wird. Der markante Backsteinbau am Rosenheimer Platz prägte das Bild Haidhausens über Jahrzehnte und gehört zu den meistgenutzten Kulturhäusern des Landes.

Das gesamte Gasteig-Angebot ist deshalb umgezogen, an die Hans-Preißinger-Straße 8 in Sendling, auf ein ehemaliges Stadtwerke-Gelände. Der Interimsstandort heißt nach seiner Adresse Gasteig HP8 und wurde am 8. Oktober 2021 eröffnet. Sein Herzstück ist die Isarphilharmonie, ein eigens errichteter Konzertsaal in modularer Holzbauweise nach Plänen des Büros gmp, mit rund 1.900 Plätzen.

Was als Provisorium begann, hat sich als Glücksfall erwiesen. Die Akustik der Isarphilharmonie gilt vielen als die beste aller Münchner Säle, und das Umfeld aus denkmalgeschützter Industriehalle, der Halle E von 1928, die nun als lichtes Foyer und als Stadtbibliothek dient, und modernem Konzertsaal hat einen ganz eigenen Reiz. Die Münchner Philharmoniker residieren hier, dazu treten das BR-Symphonieorchester und internationale Gäste auf.

Was die Sanierung dem Gasteig bringen soll, ist vor allem eine bessere Akustik, an der sich der Bau von 1985 lange messen lassen musste, dazu zeitgemäße Technik und mehr Offenheit zur Stadt. Kehrt das Kulturzentrum zurück, wird Haidhausen sein Wahrzeichen wiederhaben. Für die Stadt war der Umzug nach Sendling unterdessen eine logistische Großleistung, die sich gelohnt hat.

Das Prinzregententheater: Jugendstil in Bogenhausen

Östlich der Isar, am Prinzregentenplatz in Bogenhausen, steht das Prinzregententheater, 1901 eröffnet und ursprünglich als Festspielhaus im Geist Bayreuths geplant. Der Jugendstilbau ist deutlich intimer als die großen Mehrzwecksäle, mit rund tausend Plätzen und einer warmen, klaren Akustik, die Liederabende, Kammerorchester und Opern gleichermaßen trägt. Entworfen hat ihn Max Littmann, der wenig später auch das Münchner Hofbräuhaus-Festsaal und Theaterbauten in ganz Deutschland prägte; nach der Zerstörung des Nationaltheaters im Krieg diente das Prinzregententheater der Bayerischen Staatsoper bis 1963 als Ausweichbühne.

Heute ist das Haus vor allem die Bühne der Bayerischen Theaterakademie August Everding, dazu ein gefragter Ort für Konzerte, Festivals und Gastspiele. Seit der Schließung des großen Gasteig ist seine Rolle als alternative Konzert- und Opernspielstätte noch gewachsen. Für die östlichen Wohnviertel, von Haidhausen bis Altbogenhausen, ist es das nächstgelegene große Haus.

Der Herkulessaal und die weiteren Bühnen

Im Herzen der Altstadt liegt der Herkulessaal in der Residenz, ein Saal der 1950er Jahre mit rund 1.200 Plätzen, über viele Jahre die Heimat des BR-Symphonieorchesters und bis heute eine erste Adresse für Sinfonik und Kammerorchester. Seine nüchterne Klarheit und gute Akustik machen ihn zu einem Favoriten für konzentrierte Programme. Zusammen mit der Isarphilharmonie und dem Prinzregententheater bildet er das Rückgrat des großen Konzertbetriebs.

Hinzu kommen das Nationaltheater als Haus der Bayerischen Staatsoper und kleinere Säle für Kammermusik und Alte Musik, darunter das prachtvolle Cuvilliés-Theater in der Residenz. Ein lange geplantes neues Konzerthaus im Werksviertel am Ostbahnhof, das dem BR-Symphonieorchester ein eigenes Haus geben sollte, ist dagegen ins Stocken geraten: Wegen stark gestiegener Kosten und der Haushaltslage des Freistaats wird es derzeit nicht gebaut, ein verbindlicher Zeitplan fehlt.

Drei Säle, drei Charaktere

So unterschiedlich die Häuser sind, so verschieden ist das Erlebnis. Die Isarphilharmonie ist der moderne, akustisch herausragende Saal, in dem sich die große Sinfonik am eindrucksvollsten entfaltet. Der Herkulessaal verkörpert das nüchterne, konzentrierte Konzert, ohne Ablenkung, ganz auf die Musik gerichtet. Das Prinzregententheater schließlich bietet den festlichen, intimen Rahmen, in dem ein Liederabend oder eine kammermusikalische Oper besonders nah wirkt.

Für das Publikum bedeutet diese Vielfalt eine echte Wahl: Man kann sich das Haus zum Programm aussuchen, nicht nur das Programm zum Haus. Genau das macht eine Musikstadt aus, in der nicht ein einziger Saal alles leisten muss. Und weil die Häuser über die Stadt verteilt sind, führt der Konzertbesuch immer auch durch ein Stück München, vom Industriecharme Sendlings bis zum festlichen Prinzregentenplatz.

Kultur als Teil des Viertels

So verteilt die Spielstätten heute sind, eines verbindet sie: Sie liegen in oder nahe den zentralen Wohnvierteln und sind mit der U-Bahn in Minuten erreichbar. Für die östlichen Lagen ist die Nähe besonders dicht. Haidhausen, das man auch das Gasteig-Viertel nennt, hat das künftig wieder bespielte Kulturzentrum vor der Tür, und das Prinzregententheater liegt nur eine Station entfernt. Auch die Isarphilharmonie in Sendling und der Herkulessaal in der Altstadt sind aus den meisten zentralen Lagen in einer Viertelstunde erreichbar.

Diese Nähe verändert den Umgang mit Kultur. Ein Konzert wird vom geplanten Abendprogramm zur spontanen Möglichkeit: kurz hingehen, in der Pause nach Hause denken, zu Fuß zurück. Wer in einem solchen Umfeld wohnt, nutzt das Angebot anders und öfter als jemand, der erst durch die halbe Stadt fahren muss. Kultur wird so vom Termin zum Teil des Wohnumfelds.

Ein Konzert in Gehweite

Lagequalität bemisst sich nicht nur an Quadratmetern, sondern auch daran, was vor der Tür liegt. Ein dichtes Kulturangebot gehört zu den Vorzügen, die ein Viertel über Jahre attraktiv halten, weil es, anders als manche Mode, beständig ist. Konzerthäuser ziehen nicht weg, Orchester bleiben, und ein gutes Haus prägt seine Umgebung über Generationen. Eine gute Spielstätte in Reichweite ist damit kein kurzlebiger Standortvorteil, sondern ein dauerhafter.

Unsere Projekte liegen in genau solchen Lagen. Der Johannisplatz in Haidhausen liegt im Gasteig-Viertel, wenige Minuten vom Kulturzentrum und vom Prinzregententheater entfernt, und die Thomas-Mann-Allee im Herzogpark hat das Prinzregententheater fast vor der Tür. Wer hier wohnt, hat das Konzert nicht als Ausflug, sondern als Nachbarschaft, und das gilt auch dann, wenn der Gasteig nach seiner Sanierung in einigen Jahren zurückkehrt.

Quellen

  1. Gasteig, Standorte und Anfahrt (offiziell)
  2. Landeshauptstadt München, Isarphilharmonie im Gasteig HP8
  3. Gasteig HP8 (Wikipedia): Eröffnung 2021, Isarphilharmonie, Sanierung des Gasteig
  4. BauNetz Wissen, Konzertsaal der Isarphilharmonie Gasteig HP8 (Architektur, Daten)
  5. MünchenMusik, Isarphilharmonie (Gasteig HP8)
Alexander Prechtl

Was Sie auch interessieren könnte

© Fahroni

Haidhausen abseits der Touristenwege

Die meisten kennen Haidhausen von seinen Lokalen und vom Wiener Platz. Doch ein paar Straßen weiter beginnt ein stilleres Viertel: alte Herbergshäuschen, in denen einst Tagelöhner wohnten, das Franzosenviertel mit seinen Gründerzeitfassaden und ruhige Höfe, die kaum ein Tourist findet. Dieser Spaziergang führt durch das unbekanntere Haidhausen.

Weiterlesen …

© towfiqu_barbhuyia

Premium-Kindergärten und Krippen in Bogenhausen: Betreuung mit Anspruch

In Altbogenhausen und im Herzogpark endet die Suche nach Betreuung selten an der nächsten Ecke, sondern bei der Frage nach dem richtigen Konzept. Das Viertel hat mehrere bilinguale Premium-Kitas, lange Öffnungszeiten und kurze Wege. Dieser Überblick zeigt die Häuser, die Anmeldung über den Kita-Finder und die Zuschüsse, die Familien entlasten.

Weiterlesen …

© simbiothy

Cafés in der Maxvorstadt: Das Wohnzimmer des Uni-Viertels

Die Maxvorstadt ist Münchens Universitäts- und Kunstviertel, und sie trinkt Kaffee wie kaum ein anderes. Zwischen Türken-, Schelling- und Brienner Straße liegt eine der dichtesten Café-Landschaften der Stadt, vom altehrwürdigen Kaffeehaus über das vegetarische Traditionscafé bis zum Studierenden-Treff. Dieser Überblick führt durch die schönsten Adressen.

Weiterlesen …

Zurück zur Newsübersicht

Kontakt

X
Telefon
T +49 89 540 42 67 31

Mo.-Do. 9.00 - 17.30 Uhr
Fr. 9.00 - 15.30 Uhr

E-Mail

Wir sind für Sie da

Rückruf vereinbaren

Wir melden uns bei Ihnen